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Ganz ohne Neid

Einwurf Ganz ohne Neid

Beim krachenden K.o. in der Champions League bekamen die Bayern zuhauf das, was ihnen am wenigsten gefällt: Mitleid. Das nämlich, so heißt es, bekommt man geschenkt, während man sich Neid verdienen muss.

Marburg. Und die Bayern werden gerne beneidet. Um ihre Erfolge, um ihre Spielweise, um ihr Arena genanntes Stadion, um ihr kickendes Personal, um ihren Trainer und um die Millionen auf dem Konto, durch die alles vorher Genannte überhaupt erst ermöglicht wurde.

Nach dem Triple im vergangenen Jahr träumten die Großkopferten an der Säbener Straße davon, eine internationale Vormachtstellung zementieren zu können wie der FC Barcelona in den Jahren zuvor. Dafür holten die Bayern eigens den Konstrukteur des Barça-Tiki-Taka, der nun das Bayern-Tiki-Taka begründen sollte. Es lief auch alles ganz ausgezeichnet, ein Rekord nach dem anderen purzelte, bis sich ausgerechnet jener Pep Guardiola dazu hinreißen ließ, die Bundesliga für beendet zu erklären. Seitdem kochen die Bayern-Stars auf Sparflamme und finden den Schalter nicht mehr. Und der geradezu mythisch verklärte Trainer-Guru ist mit seinem Fußball-Latein offenbar am Ende.

Beigebracht hat Guardiola die Niederlage ausgerechnet einer, der gar nicht so recht zur medial gehypten Übungsleiter-Gilde passen will. Kein Seitenlinien-Zampano wie Jürgen Klopp, kein selbstherrlicher Egozentriker wie José Mourinho. Sondern der unterschätzte Otto-Normal-Typ Carlo Ancelotti, der dem Star-Ensemble, das mal als galaktisch galt, die Bodenständigkeit lehrte: Hinten sicher stehen und dann nach vorne schnell kontern. Klappt in der Kreisliga wie in der Champions League. Man muss das neidlos anerkennen.

von Holger Schmidt

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