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Höher, schneller, weiter - das olympische Motto ist im Weltsport längst zu einem groß, größer und noch größer verkommen.

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Marburg. Doch der Gigantismus stößt an seine Grenzen. Das erlebt das Internationale Olympische Komitee bei der Suche nach Städten, die die Sommerspiele ausrichten möchten. Von Hamburg gab es eine Abfuhr, von Rom auch. Ein Umdenken muss her, soll das wichtigste Sportereignis nicht endgültig als bloße Sponsorenveranstaltung komplett entwertet werden. Schon in Rio blieben viele Ränge in den Stadien und Wettkampfstätten angesichts horrender Preise leer. Die Kritik war verheerend, schließlich wurden Milliarden ausgegeben für ein Sportereignis und nicht, um die riesigen sozialen Probleme im Land anzugehen.

Nun sollte man meinen, dass der Mensch als vernunftbegabtes Wesen aus solchen Fehlern lernt. Doch weit gefehlt. Statt sich auf das Wesentliche, den Sport, zu konzentrieren, geht es munter weiter, und die „Werte“ Machterhaltung und Gewinnmaximierung stehen im Mittelpunkt. Jüngstes Beispiel sind die Pläne der Fifa, die WM weiter aufzustocken. Die aufgeblähte EM-Vorrunde zog sich schon zäh dahin wie ein altes Kaugummi, eine WM mit 48 Teams wäre dazu nochmals eine Steigerung. Aber vielleicht hat die Fifa auch einfach ein anderes olympisches Motto im Sinn: Dabeisein ist alles. Aserbaidschan und San Marino wird‘s freuen. Leider gilt aber auch: Wenn jederdabei sein darf, ist das Dabeisein nichts mehr wert.

von Holger Schmidt

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