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Aussitzen als Erfolgsmodell

Einwurf Aussitzen als Erfolgsmodell

Zwei Tage lange steckte das Exekutivkomitee der Fifa die Köpfe wegen der Fußball-WM in Katar zusammen. Heraus kam nur heiße Luft - wenig überraschend.

Marburg. Oder hatte tatsächlich jemand erwartet, dass Joseph Blatter und Co. die Verantwortung für die 44 toten nepalesischen Gastarbeiter auf den Stadien-Baustellen übernehmen würden? „Es tut uns sehr leid, was passiert ist“, sagte der Fifa-Boss nur und schob die Verantwortung sogleich an die Unternehmen im Wüstenstaat weiter. Wenn der große Reibach lockt, bleibt die Moral eben auf der Strecke. Mit der Aussicht auf Rekordgewinne sind offensichtlich sogar Menschenleben egal. Statt eine WM-Neuvergabe in Erwägung zu ziehen und damit sportpolitischen Druck aufzubauen, sollten sich die Arbeitsbedingungen auf den Baustellen nicht ändern, stellte Blatter einen Garantieschein für Katar aus.

Eine fatale Botschaft, zumal die Korruptionsvorwürfe bei der Vergabe noch immer nicht aufgearbeitet, geschweige denn ausgeräumt sind. Selbst die Frage, ob die WM im Winter ausgetragen wird oder nicht, vertagte die Fifa auf Anfang 2015. In einem normalen Unternehmen würde man dieses Aussitzen „entscheidungsschwach“ nennen - bei der Fifa-Führungsriege ist es das „Erfolgsmodell“.

von Holger Schmidt

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