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LIEBE LEUTE, Text2

war die Tage mal in Sachen Hochkultur in Frankfurt unterwegs. Das dortige Schauspiel gab das „Käthchen von Heilbronn.“ Ich muss sagen: Hab‘ mein Kommen nicht bereut.

Das sehr frei nach Heinrich von Kleist zum Zwei-Personen-Stück eingedampfte historische Ritterspiel hat mir gut gefallen. Und erst recht das Theater im Theater. Erlebte dort nämlich eine Posse loriotschen Ausmaßes. Und die ging so. Dem Regisseur hatte es gefallen, den Chor und die Souffleuse in der ersten Reihe des Saales zu platzieren, für die das Schauspiel selbstverständlich auch Eintrittskarten verkauft hatte. Das Drama nahm seinen Lauf. Die Leutchen von Reihe eins mussten in die Reihe zwei umziehen. Die Vertriebenen aus Reihe 2 vertrieben die Belegschaft von Reihe drei und so weiter.

Dabei entwickelten sich unter dem versammelten Bildungsbürgertum interessante gruppendynamische Prozesse, die zum kollektiven Auf- und Stillstand führten. Die einen wollten in eine Reihe rein, die anderen raus. Natürlich gab keiner nach. Megastau am Frankfurter Theaterkreuz. Besonders wagemutige kletterten einfach über ihre Klappsitze in die nächste Reihe und produzierten dabei Verrenkungen, wie wir sie von Loriots Gewinner des Salamo-Bratfett-Preisausschreibens kennen. Vor mir enterte ein Paar auf diese Weise die Reihe fünf. Drei Mann hievten die Dame über die Rückenlehne. Der zugehörige Herr versuchte es allein und blieb rittlings auf der Lehne hängen. Mit Schwung wuchtete er sein rechtes Bein über das Hindernis und rammte mit seinen Absatz gegen den Oberschenkel. Meine Nachbarn aus Reihe fünf zeigten sie allerdings nicht umzugswillig. Das Gezeter zwischen diesen und den Kletterakrobaten allein war schon das Eintrittsgeld wert. Hab‘ mich köstlich amüsiert und es gelassen hingenommen, als die Kletter-Dame wütend aufstampfte und mir dabei ihren Pfennigabsatz in den linken Fuß rammte - ohne sich zu entschuldigen. Ein gezielter Arschtritt wäre eigentlich angemessen gewesen.

Gut fünf Minuten dauerte diese turbulente Reise nach Jerusalem, die, darauf wette ich 2,50 Euro, ein Regie-Einfall war. Die auf der Bühne wartenden Darsteller sollten vor ihrem außerplanmäßigen Bühnentod noch was zu lachen haben. Wer den Aufruhr im Theatersaal erleben möchte hat dazu am 1., 4. und 18. Februar jeweils ab 19.30 Uhr dazu Gelegenheit. Viel Spaß und nix für ungut,

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