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Liebe Leute,

Ortsdiener Karl Liebe Leute,

Reifenwechsel sind ja nicht unbedingt mein Spezialgebiet. Ihr erinnert Euch wahrscheinlich noch daran, wie meine Wenigkeit sich im letzten Jahr in einem stundenlangen Rumgestümpere beide Hände großflächig verletzte, den Rücken und selbstverständlich auch den Wagenheber zerstörte.

Wer sich nicht erinnert: So war es. Kurzform muss reichen. Denn es gibt Neues zum Thema zu berichten.

Habe ein neues Auto, brauchte entsprechend neue Winterreifen - und wurde so wenigstens nicht mal in Versuchung geführt, meine ausbaufähige Leistung des vergangenen Jahres zu verbessern. Gut, natürlich gab es erst mal aus verschiedenen Gründen Terminfindungsschwierigkeiten, doch der Chef des Autohauses meines Vertrauens versprach mir, auf kurzem Wege eine Lösung parat zu halten.

Gesagt, getan: Dippels Michael packte einfach selber an. Hatte dummerweise kurz davor noch einen Termin mitten im Feld besucht und die Karre noch mehr verdreckt, als sie es ohnehin schon ist. Um nicht zu sagen: Die Reifen waren komplett zugematscht.

Also unternahm der Micha zunächst mal nen kurzen Abstecher in die Waschstraße und aktivierte den Hochdruckreiniger. Während der Schmutz vom Lack fiel, fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren: Erinnerte mich plötzlich, dass mein Auto nicht gräulich braun ist, sondern weiß.

In etwa so weiß wie das Hemd, das Cheffe beim Reifenwechseln trug. Scheint wohl so etwas wie seine Leidenschaft zu sein: Schenkt man seiner Zweitgeborenen Glauben, dann hat er die Angewohnheit, bei solchen Arbeiten immer seine besten Klamotten zu tragen. Ein Getriebewechsel im Zwirn würde wohl niemanden bei den Dippels überraschen. Immerhin: Diesmal schützte eine schicke Jacke das Hemd. „Gut, dass meine Frau das jetzt nicht sieht“, meinte der Micha noch. Will heißen: Wir müssen zusammenhalten. Jutta darf keinesfalls erfahren, dass ihr Mann bei einer wirklich schmutzigen Arbeit ein wirklich sauberes Hemd trug. Er muss seine weiße Weste behalten. Also: Pssst!

Nach ’ner halben Stunde war die Sache erledigt. Würde mal sagen: Saubere Arbeit. Und das Schöne ist: Meinem Rücken geht‘s gut, an den Händen kein Kratzer. Und die schwarzen Winterräder sind fast so schick wie die Sommervarianten - die natürlich mit schnieken Felgen verziert waren. Und auf den Schrauben saßen kleine Spießerkäppchen, die das Ganze noch schicker machen sollen. Braucht man im Winter natürlich nicht: Warum einen Hut aufziehen, wenn die Sonne nicht scheint?

Und nix für ungut,

Euer Ortsdiener Karl

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