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Liebe Leute,

Ortsdiener Karl Liebe Leute,

früher, als es weder Automobile noch feste Fahrbahnbeläge gab, war es üblich, einer Dame den Mantel zu Füßen zu werfen, damit sie unbeschadet von einer Seite der Gasse auf die andere kam.

Nun, das ist schon ganz schön lange her. In unserer Gegenwart ist es nicht erforderlich, sich den Mantel vom Körper zu reißen. Heute dürfte das eher als Wahnsinnstat gelten. Richterlichkeit geht inzwischen anders. Wie wir alle merken, regnet es derzeit wie aus Eimern. In der Stadtallendorfer Bahnhofstraße merkte ein Passant gestern von weitem, dass einer Frau ihr betagter Schirm grad in tausend Fetzen geflogen war. Sie hatte noch einen weiteren Heimweg vor sich. Patschnass wäre die Gute in jedem Falle bei ihrem Gang geworden. Der Ritter der Neuzeit eilte ihr entgegen, nahm ihr noch eine Einkaufstasche ab, nahm sie dann mit unter seinen Schirm und geleitete sie bis vor die Haustür im Rohrborn. Dort gab es für den Mann ein riesiges Dankeschön. Die Frau hat mich gleich angerufen, damit ich das mal erzähle. Tue ich sehr gerne. Nix für ungut!

Euer Ortsdiener Karl

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