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Liebe Leute,

Ortsdiener Karl Liebe Leute,

aus Fehlern lernt man. Aus den meisten zumindest. Vor allem aber aus solchen, die so doof sind, dass sie eigentlich gar nicht passieren dürften.

Ein Freund von mir hatte neulich doch tatsächlich vergessen, an seiner Karre das Licht auszumachen. Eigentlich pfeift der Wagen, wenn man aussteigt und irgendwas übersehen hat. Da mein Kumpel sein Gefährt allerdings in eine enge Parklücke gezwängt hatte und es vorzog, über die Beifahrerseite auszusteigen, überlistete er diese Sicherheitsvorkehrung. Erwähne an dieser Stelle mal nicht, dass er einige Monate zuvor an seiner Freundin gezweifelt hatte, da diese auf eben jene Weise auch schon für das Ende einer Batterie gesorgt hatte.

Doch zurück zu ihm: Er kam an seinen Wagen, und es tat sich, was sich nach einem Tag des brennenden Lichtes so tut: nämlich nichts. Entsprechend bat er seine Kollegen um Hilfe, die selbige nicht nur leisten wollten, sondern auch mit kompetenten Tipps glänzten: „Du musst Plus mit Plus und Minus mit Minus verbinden“, repetierte einer der beiden unaufhörlich.

Lange Rede, kurzer Sinn: Im Dunkeln, in leichter Hektik und noch immer über den wertvollen Hinweis zu den Polen grübelnd, schaffte der Kerl doch tatsächlich das, was er für unmöglich hielt - nämlich die Kabel zu verdrehen und das Ende seiner Batterie und einer Sicherung herbeizuführen.

Er schwor sich, als er zwei Tage später sein Auto aus der Werkstatt holte, beim nächsten Mal des Starthilfe-Gebens oder -Nehmens sich von nix mehr ablenken zu lassen und nur auf sich selbst zu konzentrieren.

Und was soll ich sagen: Wie es der Zufall will, klingelte am selben Abend sein Telefon, und ein Freund rief um Hilfe: Er brauche Starthilfe! Mein Kumpel ließ sich trotz der schlechten Erfahrungen der Woche nicht abhalten und machte sich auf den Weg.

Seine Freundin befürchtete das Schlimmste. Aber: Alles ging glatt. Gut, bevor irgendwer am Zündschlüssel drehen durfte, rannte der Kerl immer wieder zwischen den beiden Autos hin und her und vergewisserte sich, dass diesmal alles richtig ist. Erinnerte ein bisschen an seine Mutter: Die rannte früher, wenn sie das Haus verlassen wollte, mindestens dreimal in die Küche, um zu überprüfen, ob der Herd auch aus ist. Also wirklich aus. Aber das ist eine andere Geschichte.

Und nix für ungut,

Euer Ortsdiener Karl

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Von Redakteur Florian Lerchbacher