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Liebe Leute,

Ortsdiener Karl Liebe Leute,

manche Probleme scheinen schier unlösbar. Dabei könnten sie doch ganz einfach aus der Welt geschafft werden.

Will aber vorne anfangen: Bekam kürzlich einen Anruf von einem Mädel aus einem Kirchhainer Stadtteil.

Das schimpfte fürchterlich über Rennradfahrer, die ohne Rücksicht zu nehmen über den örtlichen Fahrradweg knallen würden.

Fahrradfahrer auf dem Radweg? Der Karl witterte bereits einen Skandal. Rücksicht nehmen auf wen? Auf sie und ihre Hunde! Die wiederum frei laufend in der Gegend herumtollen können. Also nicht an der Leine sind. Fragte dann mal vorsichtig nach, wie es denn mit Rücksichtnahme auf die rücksichtslosen Fahrradfahrer aussieht? Die sind ja meistens auch nicht so begeistert, wenn Hunde über den Radweg springen. Ihre Hunde würden sich nicht für Radfahrer interessieren, lautete die Antwort.

Gut, das können die Radfahrer ja nun auch nicht wissen. Die rücksichtslosen Radfahrer hätten also gleichermaßen einen Grund, sich über rücksichtslose Hundebesitzer zu beschweren.

Ihr seht das Problem? Ist ein echtes Dilemma. Womit wir wieder beim Anfang wären. Würde vorschlagen, dass beide Seiten sich ein wenig zurücknehmen sollten: Rennradfahrer könnten beispielsweise das Tempo etwas drosseln, wenn sie in der Nähe von Fußgängern sind. Und Hundehalter könnten ihre Tiere vielleicht mal kurz zu sich rufen und sie festhalten, wenn sich Radfahrer oder andere Personen nähern.

Jawoll, das bedeutet, dass man sich in seiner eigenen Freiheit ein wenig beschneiden muss. Aber nur so kann es laufen, wenn man in einer funktionierenden Gesellschaft leben möchte. Mal nicht die ganze Zeit auf sein Recht (oder Unrecht) pochen und das eigene Ego hinten anstellen - können wir das eigentlich noch? Mal nicht ständig alles besser wissen, sondern sich die Argumente anderer Menschen anhören und vielleicht auch mal einen Schritt zurücktreten oder sich überzeugen lassen. Was wäre das für eine herrliche Welt. Man wird ja wohl noch träumen dürfen, aber nix für ungut,

Euer Ortsdiener Karl

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Von Redakteur Florian Lerchbacher