Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 5 ° wolkig

Navigation:
Doppeldeutigkeiten

Ortsdiener Karl Doppeldeutigkeiten

manche Dinge sorgen einfach für Gesprächsstoff. Und geben auch Grund zur Freude. Greibs Peter war zumindest am Montagabend während der Stadtverordnetenversammlung von Amöneburg mächtig stolz, dass er den längeren Ständer hat.

Posaunte das auch laut heraus, als Wicherts Jan-Gernot die eigenen Probleme mit der Länge angesprochen hatte und sein Teil gerade in die Hand nahm, um es zum Mund zu führen.

Der Längere bei einem anderen? Das geht nun wirklich nicht, muss sich der Jan-Gernot da gedacht haben. Anders lässt es sich für mich seine Antwort jedenfalls nicht erklären: Der Peter möge abwarten, schließlich könne er seinen Ständer ja noch ausfahren.

Ist kein Witz, die haben sich wirklich so über die Länge unterhalten. Die Länge ihres Mikrofonständers! Unglaublich, oder? Und... Moment mal, was habt Ihr denn gedacht? Dass die wirklich...? Also bitte! Wer hier irgendwas Doppeldeutiges rausgelesen hat, der denkt beim beliebten Neujahrsblasen in Erfurtshausen auch an alles andere als Musik!

Im Detail und ganz ohne Schamesröte: In der Stadtverordnetenversammlung hat jede Fraktion ein Mikrofon (samt Ständer) bekommen. Damit die zahlreichen Zuschauer die Jungs und Mädels besser verstehen können, wie Hecks Stefan erklärte. Fischers Peterle, der einzige Gast im weiten Rund, wäre beinahe in Freudentränen ausgebrochen.

Das Schöne an dieser Neuerung ist: Da die Amöneburger nur einen Funkkanal nutzen, kann immer nur einer sprechen. Theoretisch könnte der eine Stadtverordnete dem anderen also das Wort abschneiden. Elmacis Sefa testete das gleich mal - allerdings unabsichtlich. Der Stefan wollte ihm als Bauausschussvorsitzendem gerade das Wort erteilen, da fing der Sefa schon mit seinem Bericht an. Sah schon putzig aus, wie unser Bundestagsabgeordneter ins Mikro sprach, aber schlicht nicht mehr zu hören war. Andererseits: Vielleicht hatte unser Politikfuchs das längst gemerkt und einfach noch ein bisschen Mundgymnastik machen wollen. Wer weiß.

Könnte mir auch vorstellen, dass Pädagogen an der neuen Anlage ihre helle Freude hätten: Ist schließlich wie eine Art Redestein. Nur, wer das Mikro in der Hand hält, darf sprechen. Gut, blöd ist, wenn die eigenen Fraktionskollegen das Teil bunkern. Rhiels Rudi musste einmal ohne technische Hilfe seine weisen Worte an die Welt richten. Das FWG-Mikro lag nämlich bei seinen Jungs in der letzten Reihe. Was mich wiederum an die Schulzeit erinnert: Da waren die Hintensitzer immer gut für einen Streich. Scheint wieder in Mode zu kommen.

Freue mich schon jetzt auf die erste Sitzung nach den Sommerferien. Mal sehen, was sich die Amöneburger dann wieder ausdenken, um uns zu unterhalten. Moment, hier drückt gerade jemand ein Knöpfchen. Scheint, als würde mir das Rederecht entzogen. Aber nix für ungut!

Euer Ortsdiener Karl

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Die Glosse
Von Redakteur Florian Lerchbacher