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Das illegale Schlangenrennen

Das illegale Schlangenrennen

Bin großer Fan von illegalen Schlangenrennen. Wenn die Kassiererinnen die Scanner so richtig heißlaufen und die Förderbänder durchdrehen lassen, dann fühlen ein Kollege und meine Wenigkeit uns am wohlsten.

Stehen dann am liebsten oberkörperfrei in der Menschenmenge, klatschen rhythmisch mit Trennklötzchen aneinander und feuern unsere favorisierten Angestellten heißblütig an.

Gut, habe jetzt ein bisschen übertrieben. In Wirklichkeit ist es so: Wenn‘s Richtung Kasse geht, suchen wir uns unterschiedliche Schlangen aus und schauen dann, wer als erstes zahlt und das Schlangenrennen gewinnt.

Habe da eigentlich eine ganz gute Quote. Setze gerne auf die Schlange, in der männliche Kunden stehen - ganz unabhängig von der Anzahl ihrer Artikel. Die versuchen an der Kasse maximal, mit einem doofen Spruch ihre unfassbare Witzigkeit zu zeigen und das Herz der Kassiererin mit ihrem unglaublichen Charme zu gewinnen. Damit scheitern sie natürlich und machen sich dann ruckzuck gramgebeutelt aus dem Staub. Bei Frauen besteht indes die Gefahr, dass sie die Kassiererin kennen und sich am Ende noch zu irgendwas austauschen.

Das ist zumindest meine Theorie - die natürlich auch schon oft falsch war. Aber an irgendeinem Glauben muss man ja festhalten. Und wie gesagt: Meine Quote gegen den Kollegen ist ganz gut.

Lieferten uns gestern auch so ein Rennen. Und es lief unfassbar gut. Stand in der weitaus längeren Schlange - was daran lag, dass ein Pärchen scheinbar den ganzen Laden kaufen wollte und das ganze Förderband vollgepackt hatte. Aber: Das bedeutete auch, dass zwischendrin keine weiteren Kunden abkassiert werden mussten. An der Nachbarkasse stockte es indes - ein Kunde hatte sich angeschlichen und war mit einer Warenrückgabe dazwischengespritzt. Und dann fing mein Kollege plötzlich an, komisch in Richtung meiner Kasse mit den Händen in der Luft herumzufuchteln und zu murmeln. Ging also näher dran und hörte, wie er immer und immer wieder sagte: „Vergiss die Geheimnummer.“

Und was passiert? Das Pärchen vor mir versagte beim Bezahlen. Musste die Geheimnummer gleich mehrfach eintippen - und Euer Karl verlor entscheidende Sekunden. Und zwar genau so viele, dass beim Wechselgeld einstecken der Kollege sich lässig danebenstellte und provokant raunzte: „Dauert‘s noch sehr lange?“

Verflucht. Kurz vor dem Ziel über einen Voodoo-Zauber gestolpert. Wo ist der Schlangenbeschwörer, wenn man ihn mal braucht?

Und nix für ungut,

Euer Ortsdiener Karl

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