Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Zweifel: ja,Tabu: nein

Zweifel: ja,Tabu: nein

Folgenschwere Autounfälle, verursacht von betagten Autofahrern, und ein offenbar psychisch kranker Messerstecher, den niemand rechtzeitig vor seiner Bluttat aus dem Verkehr ziehen konnte: Das schockierte uns in der abgelaufenen Woche.

Die Reaktionen aus der Politik nach der Irrfahrt eines 84-Jährigen in der Bad Säckinger Fußgängerzone mit zwei Toten fielen verhalten aus. Verpflichtende Fahrtüchtigkeitstests für alle Senioren seien nicht nötig, hieß es aus dem Verkehrsministerium und von Automobilclubs. Da kann man natürlich ein bisschen Rücksichtnahme auf ältere Wähler oder Mitglieder nicht ausschließen.

Ob das das richtige Mittel wäre, will ich nicht behaupten. Aber es braucht eine ehrliche Diskussion darüber. Denn natürlich wird man im Rentenalter nicht automatisch eine Gefahr für sich und die Umwelt. Ein kleiner Teil der Senioren ist es aber doch. Dafür gibt es Gründe: biologische wie nachlassende Sehkraft und schlechtere Reaktionszeiten als bei Jüngeren zum Beispiel. Oder Einflüsse von außen: etwa Unsicherheit, weil man sich zwischen vielen schnellen, drängelnden, ungeduldigen Verkehrsteilnehmern bewegen muss. Allein durch die demographische Entwicklung werden wir künftig auch immer mehr Autofahrer über 75 oder 80 haben.

Die Zahl der Unfälle von alten Menschen mag statistisch gesehen noch nicht auffällig hoch sein. Doch wenn Senioren in einen schweren Unfall verwickelt sind, dann haben sie ihn in drei von vier Fällen auch verursacht. Auch das sagt die Statistik. Man muss, auch aus Rücksicht auf die Angehörigen und Opfer, an dieser Stelle keine Einzelfälle aufzählen, doch auch in unserem Kreis gab es mehr als einen Unfall dieser Art. Natürlich darf man deshalb nicht alle über einen Kamm scheren - wobei das bei Fahranfängern (Probezeit) schon lange getan wird und akzeptiert ist.

Eine verpflichtende „Tauglichkeitsprüfung“ im Alter sehen viele Menschen verständlicherweise kritisch - manche als Diskriminierung einer Bevölkerungsgruppe, andere, weil sie Angst haben, ihre Unabhängigkeit und Mobilität zu verlieren, wenn sie „durchfallen“ sollten. Das sind ernstzunehmende Gründe. Aber es darf kein Tabu sein, darüber zu diskutieren. Möglicherweise würde es mehr Akzeptanz dafür geben, wenn Fahrzeugführer jeden Alters ab und an ihre Tauglichkeit nachweisen müssten. Denn eins ist auch klar: Eine Gesellschaft kann es auch nicht hinnehmen, dass Unschuldige sterben, weil Behörden erst zum Schutz anderer eingreifen dürfen, wenn jemand zu Schaden gekommen ist. Das gilt im Straßenverkehr, aber auch - siehe Grafing - für psychisch kranke Menschen, die erst zur offensichtlichen Gefahr für sich oder andere werden müssen, ehe man sie einweisen kann.

von Michael Agricola

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Der politische Kommentar