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Zahlen die Stromriesen?

Castor-Transport Zahlen die Stromriesen?

Zu allem entschlossen und kreativ - zwei Eigenschaften, durch die sich Anti-Atomkraft-Aktivisten von jeher auszeichnen.

Fast noch leichter, als sich an Bahnschienen festzuketten oder gar den Gleiskörper mit Schaufeln und Spitzhacken zu destabilisieren, fiel es gestern den Robin-Hood-Demonstranten, sich bei Bad Wimpfen von einer Neckarbrücke abzuseilen und damit den nahenden Castor-Frachter zumindest zeitweise zu stoppen. So bekam also auch der Brennelemente-Transport zu Wasser sein öffentlichkeitswirksames Protestritual. Es ist müßig, darüber zu diskutieren, ob irgendjemand in den Reihen der Polizei Baden-Württembergs auf die kluge Idee hätte kommen müssen, für den Zeitraum des Castortransports die Brücken auf der Strecke von Obrigheim nach Neckarwestheim zu sperren.

Viel wichtiger ist, dass durch die spektakuläre Aktion jetzt nicht die Frage in den Hintergrund gerät, die im Zusammenhang mit der Zwischen- und Endlagerung des strahlenden Mülls zurzeit am drängendsten ist: Werden die Energiekonzerne Eon, RWE, EnBW und Vattenfall zum Stichtag 1.Juli ihrer Verpflichtung nachkommen, wie vereinbart rund 24 Milliarden Euro in den staatlichen Entsorgungsfonds einzuzahlen? Es sollte den Stromriesen leichtfallen, denn zum einen haben die Unternehmen seit Jahren Rücklagen für den Atomausstieg gebildet und zum anderen haben sie gerade erst sieben Milliarden Euro aus der Brennelementesteuer vom Staat zurückerhalten. Man wird jetzt genau hinschauen müssen, ob, wann und wie viel Geld in den Fonds fließt.

Denn wenn sich schon nicht seriös kalkulieren lässt, wie teuer Zwischen- und Endlagerung in den kommenden Jahren und Jahrzehnten Deutschland und seine Steuerzahler zu stehen kommen wird, sollte zumindest die reale Kassenlage kontrolliert werden. Dass den Energiekonzernen Ratenzahlung eingeräumt wurde, lässt nichts Gutes ahnen.

von Carsten Beckmann

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Von Redakteur Carsten Beckmann