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Wo bleibt der Aufschrei?

Syrien Wo bleibt der Aufschrei?

Der erneute Versuch einer Waffenruhe in Syrien ist, so scheint es, gescheitert. Und selbst die, die das Heft des Handelns noch am ehesten in der Hand halten, sind nicht in der Lage, die Lage zum Besseren zu wenden.

Russlands Präsident Wladimir Putin als Schutzpatron des Regimes von Präsident Assad und die USA mit dem scheidenden Präsidenten Barack Obama, die andere Kräfte im Kampf gegen den IS und Assad unterstützen - keiner der beiden vermag den Graben zwischen sich und dem anderen zu überwinden. Im Gegenteil, der verheerende, offenbar unbeabsichtigte US-Angriff auf syrische Regierungssoldaten hat den Bruch der Waffenruhe noch forciert.

Dass die Waffenruhe der vergangenen Woche kein Fundament für eine Wende zum Besseren sein würde, war absehbar. Zu viele Einschränkungen und zu wenig Kompromissbereitschaft gab es, zu tief ist das Misstrauen zwischen den syrischen Kriegsparteien und zu wenig Kontrolle haben USA und Russland auf die lokalen Gruppierungen. Aber zumindest auf eine Atempause für die Bevölkerung hatte man doch hoffen dürfen. Vergebens.

Angesichts dessen fragt man sich: Wo bleibt der Aufschrei in der Welt? Warum gehen nicht überall in den Städten Hunderttausende auf die Straße, wie jüngst gegen TTIP und Ceta? Der Konflikt in Syrien hat seine Grenzen ja längst verlassen, er bestimmt unseren Alltag. In Europa sind es die vielen Flüchtlinge, die hier Schutz suchen und die Gesellschaft auf den Prüfstand stellen. Der IS trägt den Terrorismus in alle Welt und überall bangt man um Soldaten, die in Syrien oder der Region ihr Leben riskieren. Der Konflikt in Syrien ist längst auch ein deutsches, europäisches, ein weltweites Problem. Also ist es auch in unser aller Interesse, dass er ein Ende findet. Und das geht offenbar nur, indem den Supermächten ein klares Signal gegeben wird, das sie nicht übersehen können - im eigenen Land, von den eigenen Bürgern. Eine neue, weltweite „Friedensbewegung“, das wäre dringend vonnöten.

von Michael Agricola

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