Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 2 ° Regen

Navigation:
Wie der Vater, so der Sohn

Nordkorea Wie der Vater, so der Sohn

Zumindest ein bisschen Hoffnung gab es, dass der neue nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un sein Land aus der Isolation hinausführen könnte, in die es sein Vater Kim Jong Il und sein Großvater Kim Il Sung in den Jahrzehnten zuvor gebracht hatten.

Doch nach dem Test einer Langstreckenrakete im Dezember hat der gestrige Atomversuch Nordkoreas erneut deutlich gemacht, dass es im Falle Nordkoreas für Optimismus keinen Anlass gibt. Auch der seit Ende 2011 amtierende Kim Jong Un, der zumindest optisch unverkrampfter wirkt als seine Vorgänger und noch vor wenigen Wochen in seiner Neujahrsansprache tief greifende Reformen angekündigt hat, verfolgt weiter das Ziel, Nordkorea zur Atommacht zu machen. Vermutlich will er dem stalinistischen Regime damit das Überleben sichern und aus einer Position der Stärke heraus mit dem Rest der Welt verhandeln. Unklar ist dabei, ob der „Oberste Führer“ selbst die Entscheidungen trifft oder ob er von anderen Machthabern im Hintergrund gesteuert wird. Über die tatsächlichen Herrschaftsstrukturen in dem streng abgeschotteten Land ist schließlich kaum etwas bekannt.

Die internationale Gemeinschaft hat kaum Alternativen, wie sie auf die ständigen Provokationen aus Pjöngjang reagieren kann. Sie muss Sanktionen verhängen, allein schon um möglichen Nachahmern vor Augen zu führen, dass der Preis für die Entwicklung eines militärischen Atomprogramms sehr hoch ist. Zugleich sollte der Westen jedoch auch immer wieder deutlich machen, dass Nordkorea beim Verzicht auf weitere Atom- und Raketentests mit umfangreicher Wirtschaftshilfe und einer politischen Aufwertung rechnen kann. Die Chance ist zwar gering, aber vielleicht gibt es in dem Land ja doch relevante Kräfte, für die eine solche Perspektive verlockend sein könnte.

von Joachim Riecker

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Der politische Kommentar