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Wer Frieden will, braucht Mut

Syrien Wer Frieden will, braucht Mut

Friedensverhandlungen sind eine großartige Sache - sie haben bloß eine Schattenseite: Es sitzen stets Kriegstreiber, Terroristen oder Despoten am Tisch. Es sind Verhandlungspartner, denen man eigentlich nicht trauen kann.

Wer es also vorzieht, nur mit moralisch integeren Menschen zu sprechen, der kann keine Friedensverhandlungen führen.

Es ist somit nicht verwunderlich, dass der Friedensplan des UN-Sicherheitsrates auf Kritik stößt. „Der Beschluss ist nicht realistisch und wird schwierig umzusetzen sein“, rügt Oppositionsvertreter Samir Naschar. Ohne Zweifel: Die Umsetzung der UN-Resolution wird schwierig. Aber unrealistisch ist nicht der Plan der Vereinten Nationen - sondern die Hoffnung der zersplitterten, militärisch schwachen Opposition: Dass es eine friedliche Lösung für Syrien ohne Verhandlungen mit Baschar al-Assad geben könnte.

Baschar al-Assad hat in Syriens Zukunft keinen Platz, weil an seinen Händen Blut klebt, argumentiert die Opposition. Das ist moralisch richtig: Wer will schon mit einem Machthaber reden, der seine Armee auf Demonstranten schießen und Fassbomben gegen die Zivilbevölkerung einsetzen lässt? Wer vertraut einem Regime, das als Reaktion auf die UN-Resolution sofort neue Angriffe startet, um vor den geplanten Friedensverhandlungen Fakten zu schaffen?

Doch Frieden kann man eben nur mit dem Gegner schließen. Deshalb müssen Vertreter der relevanten Kriegsparteien miteinander reden. Also ist die Teilnahme von Vertretern des Assad-Regimes unausweichlich. Umgekehrt muss auch das Assad-Regime Verhandlungen mit Rebellengruppen akzeptieren, die es als Terroristen ansieht. Assads Vorbedingung, die Rebellen müssten erst ihre Waffen niederlegen, ist eine Falle.

Eine langfristige Lösung ist tatsächlich nur ohne Assad möglich. Übergangsweise wäre eine Regierung denkbar, an der sowohl Vertreter des Regimes als auch der Opposition beteiligt sind.

Es gibt dafür keine Erfolgsgarantie. Wer Friedensgespräche führt, muss mutig sein, muss große Risiken eingehen und hehre Ideale verleugnen. Dieser Preis ist angemessen - weil Krieg das größte Risiko ist und Frieden das höchste Ideal.

von Stefan Dietrich

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