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Vorbildliche Arbeit der Ermittler

BVB-Anschlag Vorbildliche Arbeit der Ermittler

Damit hatte kaum jemand gerechnet: Der Bombenanschlag auf den Dortmunder BVB-Bus geht anscheinend auf das Konto eines kriminellen Einzeltäters.

Diesmal waren es wohl keine islamistischen Terroristen, die in Deutschland Angst und Schrecken verbreiten wollten. Das ist weder ein Grund zum Aufatmen noch zu desto größerem Erschrecken. Bundesjustizminister Heiko Maas hat recht: „Jedes Motiv für eine solche Tat ist abscheulich.“

Bei dem Anschlag wurde BVB-Abwehrspieler Marc Bartra schwer verletzt, ein Polizist erlitt ein Knalltrauma. Nur durch Glück starben keine Menschen. Die Tat war genauso gefährlich, das Motiv genauso irrsinnig, die Umsetzung genauso menschenverachtend wie bei politisch motivierten Anschlägen. Und die Gesellschaft ist genauso schwer davor zu schützen.

Ob die Angreifer Islamisten sind, wie im Dezember in Berlin und zuletzt am Donnerstagabend in Paris; Rechtsextreme, wie unter anderem beim Attentat auf die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker; ein Amokläufer, wie im Sommer 2016 in München; oder anscheinend ein geld­gieriger Krimineller, wie am Dienstag vergangener Woche in Dortmund: Die Folgen für die Opfer hängen nicht davon ab, welche Ziele die Täter verfolgen.

Die größte Bedrohung für die Sicherheit in Deutschland und Europa bleibt zweifellos der islamistische Terrorismus. Denn wie ein Magnet zieht die Propagandamaschine des so genannten Islamischen Staats die Wirrköpfe und Gewalttäter an. Ausgefeilte Pläne und viele Unterstützer sind für IS-Anschläge auf „weiche Ziele“ oft nicht erforderlich. Möglicherweise regen die Islamisten dadurch aber auch Menschen zu Nachahmertaten an, die ihre Ideologie nicht teilen - wie den Dortmunder Bombenleger. Er scheint zumindest versucht zu haben, den Verdacht auf Islamisten zu lenken.

Zum Glück haben sich die Ermittler von offenbar gefälschten islamistischen, rechts- und linksextremistischen Bekennerschreiben nicht verwirren lassen. Ihrem Vorbild sollten alle Sicherheitsbehörden und -politiker folgen: Die Gefahr durch islamistischen Terrorismus ernst nehmen, aber andere Bedrohungen nicht aus dem Blick verlieren.

von Stefan Dietrich

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