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Vorausschauend und optimistisch

Syrien Vorausschauend und optimistisch

Dass die Bundeswehr Bürgerkriegsflüchtlinge an der Waffe ausbilden könnte, ist eine der wirren Ideen, die immer mal wieder in rechtspopulistischen Kreisen die Runde macht.

Deutschlands Stammtische interpretieren diesen geistigen Unfug so: Wenn die jungen Burschen schon vor dem Krieg im eigenen Land davonlaufen, zeigen wir ihnen hier, wie man den bösen Feind besiegt und schicken sie dann zurück, damit sie bei sich daheim für Ruhe und Ordnung sorgen. Derlei Gedankengut kann nur bei verfassungsrechtlich und staatsbürgerlich Unbelehrbaren auf fruchtbaren Boden fallen - ein Fall also für die reaktionäre Ideologie-Mülltonne.

Auch Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen möchte indes syrische Flüchtlinge bei der Truppe ausbilden - allerdings nicht als Soldaten, sondern als Maurer, Schweißer, Installateure oder Dachdecker. Für den Wiederaufbau nach dem Ende des Bürgerkriegs.

Dass dort, wenn erst einmal wieder demokratische Verhältnisse herrschen, jeder starke Arm und jeder kluge Kopf gebraucht wird, um das Land wieder lebenswert zu machen, zeigen die aktuellen Bilder aus dem zerstörten Aleppo in aller Deutlichkeit. Nun, warum sollte die Bundeswehr nicht in der Tat junge Flüchtlinge ausbilden, wenn dort - wie die Ministerin zum Auftakt der Münchner Sicherheitskonferenz stolz berichtete - in 100 Berufszweigen ausgebildet wird? Na ja, 40 sind es auf jeden Fall für Bewerber mit Schulabschluss, wie sich unschwer auf www.bundeswehrkarriere.de nachlesen lässt.

Ob man nun Oberflächenbeschichter oder Tierpfleger für die Stunde Null zum Wiederaufbau gebrauchen kann, sei dahingestellt, aber die klassischen „Zupacker“-Jobs hat die Bundeswehr auch im Angebot.

Etwas verstörend an Ursula von der Leyens Flüchtlings-Joboffensive ist allein ihre Bemerkung, nach abgeschlossenem Friedensprozess und nach der Bildung einer demokratisch legitimierten Regierung sei dann irgendwann auch durchaus denkbar, gemeinsam mit dem guten Nachbarn Frankreich auch syrische Soldaten militärisch auszubilden.

Das ist ebenso vorausschauend wie optimistisch gedacht, Frau Ministerin. Ein Traum: Syrien mit stabiler Demokratie und einer ordentlichen Armee. Die braucht dann sicherlich auch jeden starken Arm und jeden klugen Kopf. Und Waffen. Na klar, die hätten Deutschland und Frankreich dann sicherlich auch im Portfolio. Das passende Motto dazu: Wer vom Krieg leben will, muss ihm auch etwas geben. Nein, nein, das hat Ursula von der Leyen natürlich so nicht auf der Münchner Sicherheitskonferenz gesagt. Stammt vom alten Bertolt Brecht. Mutter Courage.

von Carsten Beckmann

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