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Vielleicht lästig, aber notwendig

Videoüberwachung Vielleicht lästig, aber notwendig

Wohl niemand lasst sich gern im öffentlichen Raum beobachten, aber alle wollen Sicherheit für sich und ihr Eigentum. Ein Widerspruch, der nur schwer aufzulösen ist.

Jeder möge sich selbst fragen, was ihm Zweifelsfall wichtiger ist: Die Gewissheit, beim Nasebohren oder Turteln auf dem Bahnsteig nicht ins Blickfeld einer Kamera zu geraten? Oder das eher beruhigende Gefühl, dass im Fall von Pöbeleien oder Kofferklau beim Warten auf den Zug jemand im Hintergrund die Szene vielleicht im Blick hat?

Klar, Videoüberwachung hilft nicht gegen Gewalttaten im Affekt oder Alkoholrausch. Aber zweifellos sind sie von großem Wert bei der Tätersuche. Und Handtaschendiebe schrecken sie bestimmt ab.

Die Bahn hat ihre Abwägung getroffen - sie setzt auf die Videoüberwachung. In Zusammenarbeit mit der Bundespolizei sollen jetzt noch mehr Kameras in ihrem Bereich installiert werden. Die große Mehrheit der Reisenden dürfte dem Unternehmen Recht geben, zumal es die Statistik auch tut. Die Straftaten in Bahnhöfen und Zügen waren zuletzt rückläufig.

Die Video-Beobachtung wird auch deshalb immer wichtiger, weil Metalldiebe immer dreister vorgehen. Signalanlagen werden zerstört, um die Kabelstränge als Buntmetall-Schrott zu Geld zu machen. Schaden und Sicherheitsrisiken sind groß. Wenn diesen Tätern das Handwerk gelegt oder Vandalen dingfest gemacht werden können, ist das nur zu begrüßen.

Trotzdem sehen viele, die selbst bislang von Kriminalität verschont geblieben sind, in Kameras die Vorboten des Überwachungsstaates. Es hat ja auch üble Fälle von Missbrauch gegeben. Erinnert sei nur an die Mitarbeiter-Überwachung bis in den Toilettenbereich bei einem Discounter.

Bei der Bahn gibt es klare und transparente Regeln. Die wichtigste: Nichts passiert heimlich. Auf die Kameras wird ausdrücklich hingewiesen. Auch die Speicherzeit und die Auswertungsbefugnisse sind kein Geheimnis.

Selbstverständlich weiß der Staatskonzern, dass Kameras allein keine Sicherheit schaffen. Dazu braucht es auch Personal. Bei der Polizei in Bund und Ländern scheint es da jedoch größeren Nachholbedarf zu geben.

von Arnold Petersen

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