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Unglaubliche Ungerechtigkeit

Vermögen Unglaubliche Ungerechtigkeit

Manchmal ist die Realität einfach unglaublich. Schriebe ein Schriftsteller einen Roman über einen Planeten, auf dem ein Prozent der Menschen mehr als die Hälfte des Vermögens besitzt, während viele andere nicht einmal ein festes Haus und genug zu Essen haben - mancher Leser würde das Szenario für zu unrealistisch halten.

Leider stammt es aber gar nicht aus einem Science-Fiction-Roman, sondern aus einer Studie der Hilfsorganisation Oxfam über die gegenwärtige weltweite Vermögensverteilung.

Die Welt ist ungerecht - das wissen wir alle. Aber diese Ungerechtigkeit ist himmelschreiend. Nicht, weil man auf das Geld der Milliardäre neidisch sein müsste. Sondern weil Millionen Menschen das Nötigste fehlt, während viele Superreiche kaum Steuern zahlen.

Neoliberale Denker recht­fertigen die Ungleichheit und die niedrige Besteuerung Vermögender häufig damit, dass alle davon profitieren würden - auch die Armen. Tatsächlich schaffen reiche Menschen mit ihren Investitionen Arbeitsplätze, und mancher Milliardär spendet sogar große Teile seines Vermögens. Doch das genügt offensichtlich nicht. Laut der Studie wird die Kluft zwischen Reichen und Armen immer größer.

„Wir leben in einer Welt, deren Regeln für die Superreichen gemacht sind“, sagte Oxfam-Experte Tobias Hauschild. Die fatalen Folgen dieser Regeln zeigen sich immer stärker. Immer mehr Menschen flüchten vor Krieg, Armut, Klimawandel und Hunger. Doch die Kosten für Flüchtlings- und Entwicklungshilfe tragen vor allem die Durchschnittsverdiener, nicht die superreichen Hauptverursacher der globalen Probleme. Aktuelles Beispiel: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble will die Benzinsteuern zur Bewältigung der Flüchtlingskrise erhöhen - statt dort zu kassieren, wo am meisten zu holen wäre.

Eigentlich müssten alle Staaten der Welt gemeinsam gegen die weltweite Ungerechtigkeit angehen. In Europa gelingt der Kampf gegen Steueroasen zum Teil, weltweit hat er keine Chance. Es stimmt eben doch: Geld regiert die Welt.

von Stefan Dietrich

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