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Unfreiwillige Pointen

Flüchtlingspolitik Unfreiwillige Pointen

Demoskopie-Institute wie Infratest dimap sind sicherlich über alle Zweifel erhaben. Wenn die Berliner Meinungsforscher oder deren seriöse Mitbewerber ins Innere der deutschen Volksseele blicken, tun sie das mit Akkuratesse und repräsentativer Glaubwürdigkeit.

Nun hat Infratest dimap im Auftrag des TV-Magazins „Panorama“ zu ermitteln versucht, ob die Menschen im Land noch genauso fest an ein „Wir schaffen das“ glauben wie die Bundeskanzlerin. Ja, meinen 52 Prozent der Befragten. Eine Mehrheit, die knapp genug erscheint, eine Mehrheit überdies, die ihrem „Ja“ ein ganz entschiedenes „Aber“ folgen lässt. Dieses „Aber“ ist wohl die Konsequenz einer monatelangen politischen Debatte über Obergrenzen und schärfere Asylgesetze - ihren Optimismus knüpfen die Bundesbürger nämlich an eine Begrenzung des Flüchtlingszustroms. Nur dann könne Integration funktionieren, lautet die Mehrheitsmeinung.

Ob sich diese Mehrheit allerdings wirklich samt und sonders um die Integration der zu uns kommenden Menschen sorgt, darf bezweifelt werden. Denn eine sogar deutlichere Mehrheit - 77 Prozent - sorgt sich um die Haushaltsverschuldung, 58 Prozent um die hohen Kosten, die die Flüchtlingsversorgung mit sich bringt. Der Zusammenhang dieser beiden Aussagen ist nur unschwer zu entdecken, und er legt offen, dass hier Optimismus von Skepsis, dass Skepsis von Angst verdrängt wird. Darauf deuten auch die übrigen Umfrageergebnisse von Infratest dimap hin: Angst vor Konkurrenz auf dem Wohnungsmarkt (71 Prozent), Angst vor steigender Kriminalität (61 Prozent), Angst vor steigendem Einfluss des Islam (58 Prozent).

Meinungsumfragen, und seien sie noch so repräsentativ, kommen bisweilen mit unfreiwilligen Pointen daher: 61 von 100 Menschen, die Infratest Auskunft gaben, meinten, der Wohlstand in Deutschland sei durch die Aufnahme von Flüchtlingen nicht bedroht. Na dann - vergessen wir einfach den ganzen Rest!

von Carsten Beckmann

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