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Unerträgliche Arroganz

Apple Unerträgliche Arroganz

Tim Cook hat Nerven, das muss man ihm lassen. Der Apple-Chef konterte die Milliardenforderung der Europäischen Union mit der Bemerkung, jegliche Vorwürfe seien komplett aus der Luft gegriffen.

Der Computer-Riese aus Cupertino wolle alle Steuern zahlen, die es zu zahlen gelte - aber in den USA und auch dort erst, wenn nach einer möglichen Unternehmenssteuerreform die Sätze so weit gesunken sind, dass sie Apple kommod erscheinen. So lange werde das Geld im Ausland geparkt, basta. Aus dieser Haltung spricht die felsenfeste Überzeugung von Großunternehmen wie Apple, McDonald’s, Starbucks oder Unilever, dass Steuerpolitik real in den Vorstandsetagen gemacht wird und nicht etwa von Regierungen. Und schon gar nicht von der Europäischen Union, auf deren Territorium man zwar gern Geschäfte macht, aber wo man nur sehr ungern Steuern entrichtet. Selbst, wenn es nur Bruchteile dessen sind, was andere Firmen zu zahlen haben: 0,005 Prozent, 50 Euro Steuern pro eine Million Gewinn? Wäre sich EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager nicht einigermaßen sicher, dass Apple mit dem Segen der irischen Regierung quasi zum Nulltarif auf der Grünen Insel wirtschaftet, hätte sie wohl kaum die Bombe platzen lassen und eine Rückforderung in Höhe von 13 Milliarden Euro in den Raum gestellt. Dublin gibt sich Brüssel gegenüber derweil entrüstet, stellt pflichtgemäß in Abrede, den US-Konzern seit Jahren bevorzugt behandelt zu haben - vor dem Tag, an dem für Apple wirklich Zahltag ist, werden lange Rechtsstreitigkeiten liegen, in der Zwischenzeit gelten weiter die bisherigen Konditionen.

Das unternehmerische Prinzip, durch komplizierte Geflechte von Tochtergesellschaften und Holdingfirmen Gewinne kleinzurechnen und damit eine aus Sicht der Finanzbehörden gerechte Besteuerung zu umschiffen, beherrschen die globalen Player mit Rücksichtslosigkeit und Chuzpe. Umso richtiger ist die deutliche Kampfansage aus Brüssel. Die schwindelerregend anmutende Summe, die die EU fordert, würde Apple keinesfalls in den Ruin treiben: Das Unternehmen verfügt über Finanzreserven in dreistelliger Milliardenhöhe und könnte überdies - anhand aktueller Absatzzahlen über den Daumen gepeilt - mit den weltweiten iPhone-Verkäufen eines einzigen Monats seine Steuerschuld begleichen. Allein vor diesem Hintergrund lässt sich das Gebaren Tim Cooks und seines Finanzchefs Luca Maestri kaum anders bewerten als unerträglich arrogant. Gerade in Zeiten weltweiter handelspolitischer Umbrüche wäre es das falsche Signal aus Brüssel, Dublin oder Washington, vor der turbokapitalistischen Marktmacht eines Unternehmens wie Apple einzuknicken.

von Carsten Beckmann

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