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Und die Mauer kommt näher

Und die Mauer kommt näher

Wenn der Club of Rome mahnend die Stimme erhebt, wird die Weltbevölkerung ein ums andere Mal daran erinnert, dass sie sich mit steigender Geschwindigkeit auf tödlichem Kollisionskurs befindet: Zu viele Menschen, zu viel Wachstum, zu viel Konsum, zu viel ökologischer Raubbau.

So weit, so bekannt, so leicht zu ignorieren.

Wenn man überhaupt noch etwas Positives herauslesen will aus den Reaktionen der Club-Präsidenten auf den aktuellen Bericht von Jorgen Randers und Graeme Maxton, dann dieses: So ganz scheinen Ernst Ulrich von Weizsäcker und Anders Wijkman die Hoffnung noch nicht aufgegeben zu haben, dass es mit der Rettung des Planeten und der menschlichen Arterhaltung doch noch klappen könnte. „Viel Zeit bleibt unserer Welt nicht mehr, um ihre Hochgeschwindigkeitsfahrt zu beenden!...Die Mauer kommt näher...“: In diesen Sätzen steckt die Einschätzung, dass die Mauer nicht längst durchbrochen ist. Was Randers und Maxton fordern, ist beileibe nicht neu und es ist auch dieses Mal wohl kaum damit zu rechnen, dass irgendwo auf der Welt die Erbschaftssteuer schrittweise bis auf 100 Prozent angehoben wird, was einer Enteignung gleichkäme. Der Club of Rome muss keine Wahlen gewinnen und kann sich deshalb für diese Idee genauso vehement ins Zeug legen wie für eine Prämie, die alle erhalten, die darauf verzichten, Kinder in die Welt zu setzen. Mit ihrer Forderung nach einem höheren Renteneintrittsalter befinden sich die Autoren des Berichts an den Club of Rome ja mittlerweile in bester Gesellschaft. Doch politisch durchsetzbar scheint die Rente mit 70 nun einmal ebenso wenig zu sein wie eine höhere Besteuerung ungesunder Produkte und fossiler Brennstoffe. Zu mehr als der lauen Bemerkung, der Bericht enthalte eine „Vielzahl guter Ansätze“, lassen sich von Weizsäcker und Wijkman denn auch nicht hinreißen.

Das ist bedauerlich. Nein: Es ist ärgerlich in Zeiten, in denen die Entwicklung globaler Handelsbeziehungen der Forderung nach Mäßigung, nach weniger Wachstum und weniger Konsum diametral entgegenzulaufen scheint. Denn wer TTIP und CETA will, der will eben auch mehr Wachstum, mehr Konsum und mehr weltweiten Handel. Befürworter der umstrittenen Handelsabkommen sind bekanntermaßen die multinationalen Großkonzerne, deren Aktionäre sowie die politischen Prediger exakt jener marktradikalen Ideologien, die aus der Sicht des Club of Rome unseren Untergang besiegeln. Die verhaltene Reaktion auf den Report von Randers und Maxton ist eine Einladung an alle, die gern versuchen den Satz „Mit wenig Wachstum soziale Ungleichheit, Arbeitslosigkeit und Klimawandel bekämpfen“ zu widerlegen. Und die Mauer kommt weiter näher.

von Carsten Beckmann

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