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Unbezahlbare Sportförderung

Olympia Unbezahlbare Sportförderung

Es ist so sicher wie die Tatsache, dass die meisten olympischen Tischtennismedaillen an Chinesen gehen: Im Laufe jeder Olympischen Spiele kommt in Deutschland die Sprache todsicher auf die Lücken in der Sportförderung.

Alle vier Jahre entdecken die Deutschen, dass es noch andere spannende Sportarten neben Fußball gibt. Und sehen, wie viele charismatische, vorbildhafte junge Sportler wir haben, die von klein auf zum Teil erhebliche Strapazen und Opfer auf sich nehmen, um erfolgreich zu sein. Die meisten von ihnen können nicht einmal im Entferntesten davon träumen, dass sich sportliche Erfolge für sie mal in barer Münze auszahlen - wie bei Profi-Fußballern, Golfern oder Tennis-Assen. Sie machen es trotzdem - weil sie ihren Sport lieben.

Mit dem provokanten Satz „In einem Land, in dem ein Olympiasieger 20000 Euro Prämie bekommt und ein Dschungelkönig 150000 Euro, sollte sich niemand über fehlende Medaillen wundern“, trifft der frühere Spitzenschwimmer Markus Deibler deshalb den Nerv. Und auch wenn das eine nichts mit dem anderen zu tun hat: Er hat recht. Dabei geht es gar nicht mal um saftige Siegprämien. Die meisten Randsportler brauchen nur eine sichere Finanzierung während der Karriere - anders sind schwerlich Spitzenleistungen möglich. Wie leistungsfördernd ist es wohl, wenn Personal, Ausstattung und Trainingsmöglichkeiten einer Sportlergeneration davon abhängig sind, wie die vorige abgeschnitten hat?

Natürlich, auch Polizei und Bundeswehr bieten vielen Athleten gute Bedingungen, ihre Karriere zu verfolgen. Das ist auch ein wichtiger Baustein. Doch Erfolge werden zufällig bleiben, solange man Förderung nicht flächendeckend und kontinuierlich betreibt. Wenn man zulässt, dass jene Sportler, die zugleich Polizisten und Soldaten sein wollen, bessere Chancen haben als andere. Oder sich nicht die talentiertesten durchsetzen, sondern eher die, deren Familien ein herausragendes Trainingsniveau finanziell oder mit persönlichem Einsatz möglich machen können.

Dass 200 Millionen Euro Fördermittel des Bundes für den Sport bei 80 Millionen Einwohnern pro Jahr einen Pro-Kopf-Wert von gerade mal 2,50 Euro ausmachen, kann man für platt halten. Doch es weist auf den tieferen Nutzen von Sportförderung hin. Internationale Erfolge im Spitzensport dienen Tausenden jungen Sportlern als Motivation und Ziel. Doch ob Medaillengewinner oder nicht - in jedem Fall entfaltet der Sport in der Breite eine viel wichtigere Wirkung - als gesellschaftlicher Kitt. Sport vor Ort ist Integration, Sozialarbeit, Erziehung, Persönlichkeitsbildung. Das allein ist für eine Gesellschaft unbezahlbar. Medaillen sind nur die Zugabe.

von Michael Agricola

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