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Treffen der Machtlosen

NSU-Opfer Treffen der Machtlosen

Der Bundespräsident wollte also erfahren, wie es den Angehörigen der NSU-Opfer geht. Nach dem Treffen gestern weiß er, was er vorher wusste: Nicht so gut.

Man kann deshalb höhnen, der Termin in Schloss Bellevue sei ein rein symbolischer Akt gewesen, um Anteilnahme und Mitgefühl zu demonstrieren. Doch das wäre zu kurz gegriffen.

Joachim Gauck hat in seiner Rede ein ganz dunkles Kapitel der jüngeren deutschen Geschichte gebrandmarkt. Er hat das Versagen das Staates beschrieben, die Demütigung der Opfer-Angehörigen, den Bruch des Vertrauens der Menschen in die Institutionen.

Das Staatsoberhaupt ist dabei deutlicher in der Sache und differenzierter im Ton gewesen als die Bundeskanzlerin vor einem Jahr auf der Gedenkfeier für die Opfer der Mordserie. Dafür gebührt ihm Dank. So wie den Angehörigen Respekt gebührt, dass sie der Einladung mit großer Mehrheit gefolgt sind.

Doch keine noch so offene Rede ruft die Opfer des NSU ins Leben zurück. Am Ende geht es um den unbedingten Willen zur Aufklärung. Und um die politische Tat. Umso bitterer die Erkenntnis, dass sich hier gestern „Machtlose“ versammelten: Auf der einen Seite Gauck, das formale Staatsoberhaupt, ein Mann der mahnenden Worte, die politisch nahezu folgenlos bleiben. Auf der anderen Seite Menschen, die sich aufgrund ihrer Herkunft oft am Rand der Gesellschaft bewegen. Denen häufig noch immer Unverständnis, Ignoranz und Vorurteil entgegen schlagen.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ So steht es im Grundgesetz. So hat es Gauck gestern gesagt. Dieser Satz ist universell. Er darf auch in Zukunft an keine Herkunft, keine Hautfarbe und keinen Glauben geknüpft sein. Dann wäre schon einiges gewonnen.

von Patrick Tiede

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