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Teilzeit mit Augenmaß

Arbeit Teilzeit mit Augenmaß

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf haben sich in Deutschland in Zeiten des Fachkräftemangels viele auf die Fahnen geschrieben - nicht nur Parteien und Gewerkschaften, sondern auch Unternehmen.

Neben Betreuungsangeboten für Kinder ist ein ganz wichtiger Baustein dafür das bestehende Recht auf Teilzeitarbeit. Allerdings kann der Wechsel in Teilzeitarbeit zur Einbahnstraße werden.

Endlich will Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles das ändern. Das im Koalitionsvertrag vorgesehene Recht auf Rückkehr in Vollzeit ist keine Revolution. Im Gegenteil. Angesichts des Wandels in Betrieben und Familien ist es ein längst überfälliger Schritt.

Nahles ahnt, dass ihr Gesetz bei manchem Arbeitgeber trotzdem für Zähneknirschen sorgt. „Arbeitszeit sorgt in Deutschland immer für eine gewisse Emotionalität“, sagt die SPD-Politikerin. Doch der Widerstand aus der Wirtschaft ist eher ein Reflex derer, die generell am liebsten auf staatliche Regeln und verbriefte Arbeitnehmerrechte verzichten würden. Denn die Befürchtung, dass Betriebe künftig nicht mehr vernünftig planen könnten, ist abwegig.

Nahles’ Entwurf sieht eben nicht vor, dass Arbeitnehmer nach Belieben ständig zwischen Voll- und Teilzeit wechseln können. Sie müssen die befristete Teilzeit mindestens drei Monate vorher beantragen. Kehren sie in Vollzeit zurück, müssen sie mindestens ein Jahr dabei bleiben. Nahles berücksichtigt auch, dass kleine Betriebe größere Schwierigkeiten bei der Personal­planung haben. Der Teilzeitanspruch gilt weiterhin erst bei Betrieben ab 15 Beschäftigten.

Die Ministerin plant also mit Augenmaß. Eine vorübergehend wegfallende halbe Stelle zu besetzen, sollte jedem Personalchef möglich sein. Schließlich müssen sich Unternehmen schon heute regelmäßig um Vertretungskräfte kümmern: Wenn Arbeitnehmer krank sind, schwanger werden, kündigen oder Elternzeit nehmen.

Für Arbeitnehmer liegen die Vorteile der Reform auf der Hand. Teilzeitarbeit wird heute zu 80 Prozent von Frauen ausgeübt und gilt noch immer als Karrierekiller. Wenn die Rückkehrmöglichkeit in Vollzeit garantiert ist, dürfte sich das ändern. Das könnte auch mehr Väter motivieren, sich (Teil-)Zeit für ihre Kinder zu nehmen.

von Stefan Dietrich

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