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Substanzlose Verunsicherung

Ängste der Deutschen Substanzlose Verunsicherung

Das sagt sich so leicht daher: Angst ist kein guter Ratgeber. Dass die Deutschen offenbar von jeher ein Volk von Skeptikern, Zauderern und Hasenfüßen sind, weiß die Welt.

Die „German Angst“ ist längst in den Wörterbüchern des anglo-amerikanischen Sprachraums gelandet. Und die Zahl der Menschen, die eher pessimistisch in die Zukunft blickt, wächst, wenn man der jüngsten entsprechenden Untersuchung der Gesellschaft für Konsumforschung glaubt. Mehr als jeder Zweite hat Angst, vor Jahresfrist war es lediglich ein Drittel der Bundesbürger. Auch wenn die GfK nicht spezifisch danach fragte - es dürfte auf der Hand liegen, dass die Bedrohung durch islamistischen Terror sowie die Frage nach den Belastungen durch den Zustrom von Flüchtlingen eine kollektive Verunsicherung begünstigt, die leicht in existenzielle Angst umschlagen kann. Diese Angst und Verunsicherung machen sich die Parteien und Gruppierungen des rechten Spektrums zunutze. Dass das funktioniert, zeigen unter anderem die Umfragewerte der AfD sowie der Zulauf, den es immer noch dort gibt, wo selbsternannte Patrioten hetzen, marschieren und zündeln. Sie werden dies so lange tun können, wie sie ihren Sympathisanten verschweigen, dass ausgerechnet in Deutschland Menschen nur wenig Anlass zu Angst und Mutlosigkeit haben müssten - in einem Land mit einer starken Wirtschaft, vergleichsweise gut funktionierenden Sozialsystemen, einem Rechtsstaat, der diesen Namen verdient, einer großen Mehrheit sozial und solidarisch denkender und handelnder Menschen. Gäbe es neben dem Wort und dem Unwort auch den Satz des Jahres - es wäre 2015 vermutlich „Wir schaffen das“. Je mehr die Menschen in Deutschland über ihre Ängste miteinander ins Gespräch kommen, umso mehr werden sie feststellen, wie substanzlos ihre Verunsicherung ist.

von Carsten Beckmann

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