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Stoppt den Telefonterror!

Unlauterer Wettbewerb Stoppt den Telefonterror!

"Kein Schwein ruft mich an", klagt der Sänger Max Raabe in einem Schlager. Dieses Problem kenne ich nicht: Jeden Abend, wenn ich nach Hause komme, blinkt mein Telefon, weil jemand angerufen hat.

Manchmal klingelt es auch morgens, wenn ich ausschlafen will oder schnell fort muss. Fast nie sind es Freunde oder Verwandte. Stattdessen rufen mich fortwährend Unternehmen an, bei denen ich noch nie Kunde war: Ein Mitarbeiter eines Stromversorgers fragt mich, ob er mal schnell meinen Anschluss umstellen dürfe. Ein anderer Anrufer behauptet, eine Umfrage zu machen - auf meine Frage nach dem Auftraggeber legt er auf. Ein unbekannter Anlageberater will mir erklären, wie ich Steuern spare. Eine Computerstimme behauptet, ich hätte gewonnen. Und dann sind da noch diese nervigen Anrufer, die immer auflegen, sobald man abnimmt.

Wenn dieser Telefonterror nur mich beträfe, wäre es kein Thema für die Zeitung. Doch im vergangenen Jahr haben sich fast 30000 Bürger bei der Bundesnetzagentur über unerlaubte Telefonwerbung beschwert. Werbeanrufe sind nämlich nur dann zulässig, wenn es der Angerufene dem Unternehmen vorher ausdrücklich erlaubt hat. Die 29298 Beschwerden sind nur die winzige Spitze eines Eisberges. Viele Menschen begnügen sich damit, bei dubiosen Nummern nicht ans Telefon zu gehen oder bei Werbeanrufen aufzulegen - beschweren sich aber nicht offiziell.

Dass viele Unternehmen weiter auf die verbotene Praxis setzen, zeigt: Sie lohnt sich trotz drohender Bußgelder. Der Grünen-Politiker Markus Tressel fordert deshalb noch strengere Regeln: „Wenn telefonisch geschlossene Verträge schriftlich bestätigt werden müssen, lösen sich die Geschäftsmodelle von vielen unseriösen Anbietern in Luft auf.“ Da hat er Recht.

Solange die Bundesregierung nicht zu Potte kommt, müssen wir Betroffenen den unseriösen Unternehmen die Suppe versalzen. Ich habe mir vorgenommen: Den nächsten unerwünschten Anruf werde ich melden.

von Stefan Dietrich

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