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So verbrennt man Kandidaten

Gauck-Nachfolge So verbrennt man Kandidaten

Deutschland ist ein reiches Land. Besonders reich ist es an potenziellen Bundespräsidentinnen und -präsidenten.

Die ehemaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche, Margot Käßmann und Wolfgang Huber; Bundestagspräsident Norbert Lammert und der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle; Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann und seine rheinland-pfälzische Kollegin Malu Dreyer; sowie Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier.

Allesamt wären sie charakterlich und fachlich geeignet für das höchste Staatsamt. Leider wird gerade ein Kandidat nach dem anderen verbrannt durch die Art, wie die Parteien die Namen ins Gespräch bringen. Selbst ein Parteichef ist sich nicht zu schade für dieses alberne Spiel: Sigmar Gabriel fordert einen Bewerber, „der unser Land repräsentieren kann, aber auch die Herausforderungen unserer Zeit kennt und Antworten darauf hat. Die SPD hat bereits einen Kandidaten, auf den all das zutrifft: Frank-Walter Steinmeier. Doch der findet bei der Union bisher keine Unterstützung.“

Steinmeier zieht es vor, zu den Spekulationen zu schweigen - während andere Genannte wie Käßmann, Huber und Lammert die nervigen Fragen leid sind und offiziell absagen. Anders können die potenziellen Kandidaten auch kaum reagieren, wenn sie nicht als Marionetten eines politischen Lagers erscheinen wollen. Das soll der Bundespräsident gerade nicht sein, und deshalb untergraben die Strategiespiele der Parteien die Würde des Amtes.

In einer Zeit, wo die politischen Gräben tiefer werden, würde man sich einen überparteilichen Bundespräsi­denten wünschen. Gelingt es den Parteien allerdings nicht, einen gemeinsamen Kandidaten zu finden, dann wäre die beste Lösung, jetzt mehrere Bewerber offiziell ins Rennen zu schicken und die Bundesversammlung demokratisch abstimmen zu lassen - statt einen Namen nach dem anderen zu lancieren. Sonst bleibt am Ende von den vielen geeigneten Kandidaten keiner mehr übrig. Der Nachfolgerin oder dem Nachfolger von Joachim Gauck würde dann der Makel anhaften, zweite Wahl und kleinster gemeinsamer Nenner zu sein.

von Stefan Dietrich

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