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So plump wie Trump

US-Wahlkampf So plump wie Trump

Eigentlich ist die Sache ganz einfach: Donald Trump ist ein Clown. Als der Baulöwe Mitte des Jahres beschloss, er wolle US-Präsident werden, waren sich politische Beobachter einig: Man kann ihn nicht ernst nehmen.

Zu peinlich waren die Auftritte des mediengeilen Unternehmers, zu abstrus seine Forderungen, zu kurz die Abstände zwischen den Fettnäpfchen, in die er trat.

Dass Trump selbst seine Albernheit nicht zu erkennen scheint, macht nichts. Misslich ist bloß, dass ein großer Teil der US-Öffentlichkeit ihn nicht als Clown wahrnimmt. Es besteht die reale Gefahr, dass er Präsident der Supermacht wird. Dabei hat er doch zur Genüge bewiesen: Kein Schwachsinn ist so groß, dass Trump ihn verschweigt, kein Fehltritt so dämlich, dass er ihn unterlässt.

Erst hetzte der republikanische Kandidat gegen Latinos, obwohl sie Stammwähler seiner Partei sind. Dann beschimpfte er eine Journalistin mit Bemerkungen, die klar unter die Gürtellinie zielten. Und nun fordert er - angeblich zum Schutz vor Terror - ein Einreiseverbot für Muslime. Ein Vorhaben, das er im Falle eines Wahlsiegs nicht umsetzen könnte, weil es der US-Verfassung widerspricht.

Man muss das inhaltlich nicht kommentieren, weil schon alles dazu gesagt ist. Trump sei „komplett verwirrt“, konstatierte sein republikanischer Mitbewerber Jeb Bush. Die demokratische Kandidatin Hillary Clinton schrieb: „Skandalös, verwerflich, spalterisch. Trump, du begreifst es nicht.“

Wer begreift, dass Trump ein Clown ist, der kann aus seinem Geschwätz sogar noch etwas lernen. Lehrreich ist gerade die Plumpheit, mit der Trump Feindbilder konstruiert und vermeintliche Lösungen vorschlägt: Latinos begehen Straftaten? Trump baut einen Zaun gegen Latinos. Muslime verüben Anschläge? Trump lässt keinen Muslim mehr rein.

Trumps Realsatire hält uns - unbeabsichtigt - den Spiegel vor. Unsere eigenen Vorurteile sind subtiler, hiesige Politiker argumentieren geschickter - doch im Kern sind viele Argumente in deutschen Debatten so plump wie Trumps Worte.

Man darf keine Bevölkerungsgruppe unter Generalverdacht stellen - weder Muslime noch Flüchtlinge: Wenn man diese Moral aus Trumps Fehltritt zieht, dann hat seine Kandidatur etwas Gutes.

von Stefan Dietrich

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