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Simple Appelle, fatale Argumente

Superreiche Simple Appelle, fatale Argumente

Sie heißen Gates und Ortega, Buffett oder Zuckerberg. Und sie haben Geld, sehr viel Geld. Unvorstellbar viel Geld: Die Forbes-Liste taxiert allein das Vermögen der acht reichsten Menschen auf der Welt unter dem Strich auf Schwindel erregende 426 Milliarden US-Dollar.

Wohl, weil das eine Summe ist, die vom Vorstellungsvermögen der meisten Menschen so weit entfernt ist wie die Erde vom Mars, wirkt dieser Reichtum ohne genaueres Hinsehen kaum skandalös. Der oberflächlich-naive Blick auf die Geschäfte, die zum Beispiel einem Mann wie dem Mexikaner Carlos Slim Helu zu seinen knapp 50 Milliarden Dollar verhalfen, offenbart keine kriminellen Machenschaften, sondern eher erfolgreiches Unternehmertum: Mit Telekommunikation Geld zu verdienen, erscheint wenig anrüchig. Zudem wissen Multimilliardäre, wie sie ihren Ruf aufhübschen: hier eine Stiftung, da eine Schenkung, das gibt positive Schlagzeilen und bringt für Krösus & Co. überdies steuerliche Vorteile mit sich.

Wie alle übrigen Ressourcen auf diesem Planeten ist jedoch auch Geld endlich. Dass die Finanzressourcen ungleich verteilt sind, wird niemand plausibel bestreiten können. Im Grunde genommen ist es irrelevant, wie präzis die Einschätzung der jüngsten Oxfam-Studie ist. Aus dem Papier, das die Entwicklungsorganisation gestern veröffentlichte, geht hervor, dass die 426 Milliarden US-Dollar im Besitz der acht reichsten Männer auf der Welt weitaus mehr Finanzmittel sind, als den 3,6 Milliarden ärmsten Menschen auf der Welt zur Verfügung stehen. Man kann dieses Zahlenspiel erst einmal sacken lassen und kommt dann vermutlich zu der Erkenntnis, dass hier aus Ungleichheit Ungerechtigkeit wird. Oder man kann an der Berechnungsmethode von Oxfam herummäkeln und bekritteln, dass durch die ausschließliche Aufrechnung von Nettovermögen ein leicht schiefes Bild entsteht. Genau das tat gestern etwa eine Sprecherin des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln: Oxfam, so der Vorwurf, deklariere einen verschuldeten US-Studenten als arm, obwohl genau der später als Akademiker vermutlich viel Geld verdienen dürfte. Das mag so sein, ändert jedoch kaum etwas an der realen Armut von Milliarden Menschen in anderen Teilen der Welt. Auf dem heute beginnenden Weltwirtschaftsforum in Davos soll die Frage der globalen Vermögensverteilung eine gewichtige Rolle spielen. Fatal wäre, wenn dort Totschlagargumente wie jenes des Instituts der deutschen Wirtschaft mehr Gehör fänden als der simple Oxfam-Appell an die internationale Staatengemeinschaft: Kooperiert im Sinne sozialer Gerechtigkeit, anstatt euch gegenseitig mit Steuergeschenken an die Wirtschaft auszustechen.

von Carsten Beckmann

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