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Schokolade und Rassismus

Fußballer-Bilder Schokolade und Rassismus

Süßigkeiten sind eigentlich kein Thema für die Kommentarspalte. Ob man Schokolade mag - und wenn ja, ob man dunkle, helle oder weiße Tafeln bevorzugt -, ist keine politische Frage. Doch anno 2016 ist auch das Private politisch.

Denn es gibt verbohrte Menschen in Deutschland, die nicht einmal den Anblick eines dunkelhäutigen Gesichts auf einer Schokoladenpackung ertragen.

„Vor nichts wird Halt gemacht“, empört sich ein Pegida-Sympathisant angesichts der Jugendbilder von Jérôme Boateng und Ilkay Gündogan auf der Kinderschokolade. Wie bitte? Boateng und Gündogan sind beide in Deutschland aufgewachsen, die Bundesrepublik ist ihre Heimat. Im Gegensatz zum Kakao in der Schokolade und zum italienischen Süßwarenkonzern Ferrero - der in Deutschland auch viele Menschen mit ausländischen Wurzeln beschäftigt.

Die Argumente der Verteidiger des schokoladigen Abendlandes sind also erkennbar hohl. Doch leider zeigen sie, wie tief das Niveau gesunken ist. In der aufgeheizten Stimmung der Flüchtlingsdebatte melden sich nun auch diejenigen zu Wort, die schlicht gegen jeden sind, der fremd ist oder anders aussieht. Wer so denkt und argumentiert, den muss man als das bezeichnen, was er ist: als Rassist. Wer ihn als besorgten Bürger und Rechtspopulisten verharmlost, macht sich mitschuldig an der täglichen Diskriminierung, die Tausende erfahren: Menschen, die zum Teil sogar hier geboren und deutsche Staatsbürger sind - aber wegen ihres Namens oder ihres Aussehens als Ausländer wahrgenommen werden.

Selbstverständlich gibt es in der Fluchtkrise berechtigte Sorgen und Fragen: Wie kann man die Integration Tausender Zuwanderer gewährleisten? Wie verhindert man die Einreise von Terroristen und Kriminellen? Diese Fragen muss die Politik beantworten. Aber Bundespräsident Joachim Gauck warnte beim Katholikentag zu Recht vor denjenigen, die „Hysterie verbreiten“ und „ihr eigenes Süppchen kochen“ wollen. Sie dürfen kein Gehör finden. Schokolade ist Geschmackssache, Rassismus nicht: Er ist inakzeptabel.

von Stefan Dietrich

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