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Schlagende Argumente

Papst Schlagende Argumente

Papst Franziskus hat sich bisher viel Anerkennung erworben - als Stimme der Gerechtigkeit und als Kirchenoberhaupt, das nicht davor zurückschreckt, die Verkrustungen der Kurie zu geißeln.

In seiner noch kurzen Amtszeit hat er erfrischend neue Akzente im Vatikan gesetzt. Doch seine jüngste Generalaudienz zur Rolle von Vätern wirft die Frage auf, ob sein Weltbild an manchen Stellen nicht überarbeitungsbedürftig ist.

Die eigenen Kinder zu züchtigen, verkündet der Pontifex als Botschaft mit höchster Autorität, sei durchaus in Ordnung. Die Eltern müssten dabei nur die Würde achten und die Kleinen nicht ins Gesicht schlagen. Die absurde These sollte nicht nur in deutschen Besser-Erziehenden-Familien Bestürzung auslösen.

Nun ist es nicht so, dass ein betagter Kirchenführer in erster Linie als Experte für Pädagogik zu gelten hat. Wenn er sich dazu aber einlässt, kann und darf er keinen Anspruch auf Unfehlbarkeit geltend machen. Deshalb: Die päpstliche Faustregel ist spätestens im 21. Jahrhundert schlicht und ergreifend nicht zu akzeptieren. Ganz abgesehen davon, dass es schwerfällt, die feinsinnige Unterscheidung nachzuvollziehen.

Biographisch ist der Ausrutscher vielleicht noch erklärbar: Jorge Mario Bergoglio, der auf Twitter jetzt unter dem Hashtag #PrügelPapst höhnische Schmähungen lesen kann, hat lange Zeit in der rauen Welt südamerikanischer Armenviertel gepredigt. Dort wachsen Kinder sicher anders auf als in der behüteten Umgebung deutscher Mittelstandsfamilien. Und der Würdenträger fand schon früher gar nichts dabei, jemandem Prügel anzudrohen, der seine Mutter beleidigt. Das aber darf nicht die Maßstäbe setzen, sondern die Verantwortung für empfindliche Kinderseelen. Der oberste Hirte der Katholiken sollte sich korrigieren und nicht jenen Schützenhilfe leisten, die Gewalt für ein normales Erziehungsmittel halten.

Vielleicht kann man Franziskus selbst zitieren. Die Nächstenliebe in die Tat umzusetzen, ist die beste Art, das Evangelium zu verkünden. Das gilt ja wohl auch für Kinder.

von Frank Lindscheid

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