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Schäuble demütigt Griechenland

Schuldenkrise Schäuble demütigt Griechenland

Nun ist es amtlich: Die Bundesregierung will Griechenland gar nicht helfen - sie will das Land nur demütigen und aus dem Club der Europäer herausdrängen.

Anders lässt es sich nicht erklären, dass Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ohne Mitwirkung der Griechen einen Plan für eine Euro-Auszeit des von der Pleite bedrohten Landes entworfen hat. Und das offenbar mit stillschweigender Billigung der SPD-Spitze.

Was ist in den früher so überzeugten Europäer Schäuble gefahren? Ist er besessen von der Idee, ganz Europa zu beherrschen? Fühlt er sich persönlich von der Regierung Tsipras gekränkt? Oder will der 72-Jährige der Öffentlichkeit zeigen, dass er nun wirklich in den wohlverdienten Ruhestand gehen sollte?

Der deutsche Minister beharrt darauf: Athen müsse nachbessern - und man könne sich ohnehin nicht auf griechische Zusagen verlassen. Dabei war die Regierung von Alexis Tsipras weit über ihren Schatten gesprungen. Was will Schäuble denn noch mehr als die am Samstag vom griechischen Parlament beschlossenen Reformen? Ist die Erhöhung von Steuern und faktische Kürzung niedriger Renten in einem wirtschaftlich am Boden liegenden Land nicht hart genug? Und wie soll Griechenland seine Pläne noch glaubwürdiger machen als mit einem Parlamentsbeschluss? Wer mehr fordert, verlangt Unmögliches - und will offenbar gar keine Einigung. Das sprach Kanzlerin Angela Merkel dann auch aus: Es werde „keine Einigung um jeden Preis geben“.

Verständlich, dass das viele Euro-Partner zur Weißglut bringt - so wie Italiens Regierungschef Matteo Renzi. „Italien will keinen Ausstieg Griechenlands aus dem Euro, und in Richtung Deutschland sage ich: Jetzt reicht es“, polterte er.

Am Abend versammelten sich erneut die Regierungschefs der Eurozone, um über ein Hilfspaket für Griechenland zu beraten. Athen hat sich im Vorfeld gewaltig bewegt. Wenn es eine Lösung geben soll, dann muss sich jetzt auch die Regierung Merkel bewegen.

von Stefan Dietrich

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Von Redakteur Stefan Dietrich