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Schämt euch, ihr Brandstifter!

Heidenau Schämt euch, ihr Brandstifter!

An Tagen wie diesen könnte ich mich schämen, Deutscher zu sein. Schämen dafür, dieselbe Staatsangehörigkeit zu haben wie rechte Randalierer, die aus der deutschen Geschichte nichts gelernt haben.

Schämen dafür, in einem Land zu leben, das trotz seines enormen Reichtums so hartherzig gegenüber denen ist, die hier Schutz suchen. Schämen für manche Politiker, die in der Hoffnung auf ein paar zusätzliche Stimmen Vorurteile gegenüber Migranten schüren. Aber dann fällt mir wieder ein, dass nicht ich derjenige bin, der sich schämen muss.

Schämt euch, ihr Neonazis, die ihr vor Flüchtlingsheime zieht und Parolen grölt! Wie moralisch verkommen müsst ihr sein, dass ihr diejenigen bedroht, die um ihr Leben rennen mussten? Wie hasserfüllt müsst ihr sein, dass ihr gegen die hetzt, die mit einem Bett in einer Massenunterkunft zufrieden sind? Wie dumm müsst ihr sein, dass ihr euch diejenigen zum Vorbild nehmt, die vor 75 Jahren Synagogen angezündet haben? Habt ihr nicht verstanden, dass eure geistigen Großväter unser Land zugrunde gerichtet haben? Das wird euch aber nicht erneut gelingen.

Aber schämt auch ihr euch, ihr Brandstifter in Biedermannskleidern! Eure Sätze beginnen mit „Ich bin ja kein Nazi, aber ...“ und enden mit „das wird man ja wohl noch sagen dürfen“. Ihr gebt dem dreckbraunen Mob in Heidenau und anderswo das irrige Gefühl, gesellschaftlichen Rückhalt zu besitzen. Denkt bitte nach, bevor ihr das nächste Mal den Mund aufmacht! Lest Zeitung, informiert euch darüber, welche Not Menschen dazu bringt, ihre Heimat zu verlassen in der Hoffnung auf ein halbwegs sicheres Leben. Ihr sagt: „Deutschland kann nicht alle Probleme der Welt lösen.“ Stimmt - aber was habt ihr als Bürger und Verbraucher bisher dazu beigetragen, dass sich diese Probleme nicht weiter verschärfen?

Ja, die große Zahl von Flüchtlingen ist eine Herausforderung. Ja, es läuft nicht alles rund, und es kostet Geld. Aber: Wenn jemand zu ertrinken oder zu verbrennen droht, dann muss man ihn sofort retten, wenn man dazu in der Lage ist. Über alles andere denkt man später nach. In solch akuter Not sind viele Flüchtlinge. Wer ihnen nicht helfen will, wer sogar die Flüchtlingshilfe behindert, der kennt weder Moral noch Mitgefühl.

Für rechtsextremes Gedankengut ist in diesem Land kein Platz mehr. Das zeigen zum Glück nun auch Politiker der demokratischen Parteien in ihren Reaktionen auf die Ausschreitungen von Heidenau - vom sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU) bis zu Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD). Der braune Mob ist eine erbärmliche Minderheit. Darum muss ich mich doch nicht schämen, Deutscher zu sein.

von Stefan Dietrich

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