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Sanktionen gegen Putins Zynismus

Ukraine Sanktionen gegen Putins Zynismus

Noch vor wenigen Tagen gönnte sich Deutschland eine merkwürdige Debatte um sogenannte Russlandversteher. Es war dies auch eine Reaktion auf den "marktgängigen Anti-Putin-Reflex" in Deutschland, wie ihn nicht nur die Linke, sondern auch der CDU-Vize Laschet ausgemacht hat.

Spätestens mit dem gezielten Abschuss von MH 17 und der sich anschließenden Leichenfledderei betrunkener Separatisten im ostukrainischen Kampfgebiet hat sich gezeigt, wie irre und unmenschlich diese Betrachtung der Wirklichkeit ist. Die heimischen Latte-Macchiato-Strategen in ihrem gemütlichen Sessel plagt ja inzwischen auch das schlechte Gewissen.

Dass Kremlchef Putin auf dem Höhepunkt der Weltempörung über den Abschuss des malaysischen Flugzeuges gestern warnte, man solle die Tragödie „nicht für politische Zwecke missbrauchen“, ist die makabre Meisterleistung eines politischen Zynikers. Die Separatisten sind seine Saat, sie tragen russische Waffen. Das militärische Großgerät in ihren Reihen, vom Panzer bis zur Flugabwehrrakete, wurde nicht im Lebensmittelladen in Donezk erworben, sondern von Offiziellen über die russische Grenze herbeigeschafft.

Selbst der britische Regierungschef Cameron scheint nun bereit, Handelsbeschränkungen auch im Finanzsektor mitzutragen. Der Dollpunkt ist überschritten. Schluss mit der bisherigen Sanktionssäuselei. Deutschland mit seiner enormen Abhängigkeit vom russischen Gas und Öl fällt zweifelsohne eine Schlüsselrolle zu, wenn es um die dritte Stufe wirtschaftlicher Zwangsmaßnahmen gegen Russland geht.

Die Kanzlerin hat ihre Erfahrungen gemacht mit einem Kremlchef, der die Staatenwelt systematisch für dumm verkauft hat. Er konnte bisher darauf spekulieren, dass es den westlichen Staats- und Regierungschefs an der notwendigen Entschlossenheit fehlt.

Putin wollte, mit Beginn der Krim-Annektion, ausprobieren, wie weit der Westen bereit ist, still zu halten. Jetzt muss eine Antwort kommen, die klar ist, die frei von diplomatischen Schnörkeln ans Eingemachte geht.

Als seriöser Partner in Europa ist Russland unverzichtbar. Aber momentan hat Wladimir Putin seine Geschäftsfähigkeit verloren. Die muss er sich jetzt neu erwerben. Es mag sein, dass die Separatisten nicht immer und überall auf Putins Kommando hören. Aber ohne ihn, ohne russische Unterstützung, hätte sich dieser Alptraum nie so schlimm entwickelt.

Wenn Putin wirklich will, kann er eingreifen. Das zeigt sich nicht nur bei plötzlich funktionierenden Videokonferenzen oder bei der Freilassung von OSZE-Geiseln. So viel versteht inzwischen jeder vom heutigen Russland.

von Dieter Wonka

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