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Reflex der Gewalt

Israel und Gaza Reflex der Gewalt

Selten scheinen Schuld und Unschuld, Ursache und Wirkung, Aktion und Reaktion so klar verteilt: Gewalttätige Palästinenser schießen seit Jahren Raketen auf Israel ab, irgendwann reißt den Israelis der Geduldsfaden und sie töten den verantwortlichen Militärchef der Hamas.

Zwar sterben mehr als ein Dutzend Palästinenser und mindestens drei Israelis, doch mit der weltweiten Resonanz kann der jüdische Staat durchaus leben: Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ruft nur neutral zu einem Ende der Gewalt auf, Washington, Brüssel und Berlin betonen das israelische Recht auf Selbstverteidigung. Die Israelis, militärisch sowieso die Stärkeren, sind diesmal auch diplomatisch in der Offensive. Also alles gar nicht ganz so schlimm, aller Gewalt zum Trotz?

Auch wenn die Israelis im Recht sein mögen - der Zeitpunkt dieser Aktion und die Tötung des Hamas-Generals werfen Fragen auf: Warum schlägt Israel gerade jetzt los? Schließlich ist die Zahl der Raketen aus Gaza schon mal höher gewesen. Vor allem aber: Ist es sicherheitspolitisch weise, den einzigen Mann zu töten, der in dem dichtbesiedelten Wüstenstreifen so etwas wie das Gewaltmonopol zu gewährleisten vermochte?

Eine Antwort auf diese Fragen hält der israelische Politikwissenschaftler Yagil Levy bereit: Der äußere Konflikt, so argumentiert er, diene dazu, nach innen die Reihen zu schließen. Das könnte Premier Benjamin Netanjahu vor den Wahlen im Januar in der Tat Rückhalt verschaffen. Sicher ist: Israels Regierung reagiert mit der Operation „Säule des Schutzes“ ebenso reflexhaft auf die Gewalt in Gaza wie zuletzt Ende 2008 mit der Operation „Gegossenes Blei“. Auch damals stand eine Wahl an. Und auch da löste die Militäraktion nur neue Reflexe der Gewalt aus - statt Israel dauerhaft Sicherheit zu verschaffen.

von Daniel Alexander Schacht

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