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Pisa - na und?

Leistungstest Pisa - na und?

Das wichtigste Wissen ist zu wissen, was wichtig ist. Gemäß diesem Spruch des Pädagogen und Philosophen Andreas Tenzer hat sich der Schulleistungstest der OECD nun auch - und nach 2003 erneut - mit den Fähigkeiten von 15-Jährigen beim Lösen von Alltagsproblemen befasst.

An virtuellen Fahrkartenautomaten mussten etwa Tickets geordert oder eine Klimaanlage bedient werden. Dabei setzte man auf das praxisnahe Prinzip Versuch und Irrtum. Freilich können die gestern mit viel Tamtam vorgestellten Testergebnisse eigentlich niemanden mehr vom Sessel reißen. Pisa wird immer mehr zu blanker Routine, die von einer wuchernden Bürokratie immer neu beliefert wird.

Bei den jetzt veröffentlichten Testergebnissen ging es offenbar vor allem um die Fähig­keiten, den Computer kreativ einzusetzen, ihn beim „um-die-Ecke-denken“ sinnvoll zu nutzen. Der Pisa-Schock, der vor allem die kleinstaatlich aufgestellte Bildungspolitik hierzulande vor Jahren heimsuchte, ist längst geschäftigem Gegensteuern gewichen. In Deutschland, wo längst und richtigerweise mehr auf Leistung, Vergleichbarkeit und Standards gesetzt wird, wie anderswo in der Welt auch.

Aber ist es denn wirklich von Bedeutung, ob deutsche Schüler beim PC-gestützten Alltagstest vor oder hinter Gleichaltrigen aus Japan, China, Süd-Korea, Finnland, den USA oder Nordwest-Italien einkommen? Dieses Schülerranking ist in etwa so sinnvoll wie der Medaillenspiegel bei Olympischen Spielen oder wie Statistiken über den Besuch von Gymnasien und Hochschulen. Ihre Aussagekraft ist begrenzt.

Ob die Kinder und Jugendlichen in der Schule wirklich wichtiges Wissen erwerben, ist eine andere Frage. Ob sie vor allem die Kompetenzen vermittelt bekommen, sich selbst Wissen anzueignen, Problemstellungen aufzuwerfen und kreativ Lösungen zu suchen, steht auf einem anderen Blatt.

Und die Frage, ob das Abitur nun nach zwölf oder 13 Jahren abgelegt werden sollte, bekommt einen ganz anderen Hintergrund. Es geht doch eigentlich darum, welche Fähigkeiten und welches Wissen in dieser Zeit vermittelt werden. Wird möglichst viel Fachwissen „eingepaukt“ - und nach Prüfungen wieder vergessen - oder geschieht Lernen erfolgsorientiert, spielerisch, aber auch fordernd nachhaltig?

Pisa legt schon seit Jahren immer wieder Wert darauf, Schüler individueller zu fördern und so auch soziale Nachteile besser ausgleichen zu können. Vor allem das „vergessene Fünftel“, das bei den Tests regelmäßig schlecht abschneidet und später im Berufsleben schlechte Chancen hat. Ebenso dürfen leistungsfähigere Schüler nicht auf ein Durchschnittsniveau nivelliert werden. Man kann die neuesten Pisa-Ergebnisse auch so lesen: Die deutsche Bildungspolitik hat noch viel zu tun.

von Reinhard Zweigler

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