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Ordinärer Gestank nach Schnaps

Drogen Ordinärer Gestank nach Schnaps

Viereinhalb Jahre ist es her, da trat der mittlerweile verstorbene CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Schockenhoff die Flucht nach vorn an: Er sei Alkoholiker, bekannte er öffentlich, nachdem er betrunken einen Unfall verursacht hatte.

Spätestens dieses Geständnis trat eine Diskussion über die Frage los, ob die Berufspolitikerinnen und Berufspolitiker ihr hartes Leben in Berlin nur durchstehen, wenn sie literweise Schnaps und Bier in sich hineinschütten oder zu anderen Drogen greifen.

Das Thema war zum Zeitpunkt des Schockenhoff-Outings ja beileibe nicht neu: Schon Franz-Josef Strauß soll die eine oder andere Rede im Zustand absoluter Fahrun­tüch­tigkeit gehalten haben, und der junge Joschka Fischer befand flapsigflott in den 80er-Jahren, der Bundestag sei eine unglaubliche Alkoholikerversammlung, die teilweise ganz ordinär nach Schnaps stinke.

Jetzt hat es Volker Beck erwischt oder besser: Volker Beck wurde erwischt. Noch steht nicht fest, dass wirklich Crystal Meth in seiner Tasche steckte, als er am Dienstagabend am Nollendorfplatz einer Polizeistreife in die Arme lief. Dass er eine „betäubungsmittelverdächtige Substanz“ dabei hatte, ist aktenkundig, und das veranlasste den Grünen dazu, seine Ämter in der Fraktion zur Verfügung zu stellen. Ein, so scheint es, unumgänglicher Schritt, den man jedoch erst kommentieren und bewerten sollte, wenn mehr auf dem Tisch liegt als der Anfangsverdacht, von dem gestern die Rede war.

Fest steht: Immer wieder halten Bundestagsabgeordnete offenbar dem Druck ihrer Arbeit nicht stand, und ebenso wie Ärzte, Piloten, Pfarrer, Lehrer oder Journalisten greifen sie zu Drogen. Aus der wohlwollenden Annahme, dass wir nicht ein machtgeiles, dekadentes Partyrudel als Volksvertretung gewählt haben, könnte man folgern, dass unsere Parlamentarierinnen und Parlamentarier vielleicht Mediziner und Psychologen an ihrer Seite brauchen, um ihren großen Aufgaben gerecht zu werden.

von Carsten Beckmann

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