Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Offene Flanke

Griechenland Griechenland Griechenland Offene Flanke

Griechenland und seine Schulden: Liebend gern würde die Kanzlerin dieses leidige Thema aus dem Bundestagswahlkampf heraushalten.

Liebend gern würde sie es sich und ihren Wahlkämpfern ersparen, ein ums andere Mal erklären zu müssen, weshalb die Rettung des Landes jeden Euro wert ist. Zuletzt sah es auch so aus, als kehre Ruhe ein in Athen: Geräuscharm blätterten sich die Wirtschaftsprüfer der internationalen Geldgeber durch die Bilanzen - und behielten ihren Schrecken zunächst für sich.

Derweil fand Finanzminister Wolfgang Schäuble in griechischen Medien Worte des Lobes für die Umsetzung der Sparvorlagen, wenn auch mit Mühe. Aber die Krise kennt keine Wahlperioden. Griechenland droht nach wie vor an Ineffizienz zu ersticken, die Menschen verarmen, Unternehmen meiden Investitionen. Die griechische Regierung schreckt vor den geforderten Stellenstreichungen im öffentlichen Dienst zurück, die desolate Lage des Marktes blockiert die Privatisierung von Staatsbetrieben.

Dass nun der griechische Wirtschaftsminister einen zweiten Schuldenschnitt mit einer angeblichen Verbesserung der Lage begründet, ist ein kurioser Aspekt in einem ansonsten knallhart berechneten Zug: Die Griechen wissen um die bevorstehende Bundestagswahl - und um die offene Flanke der Kanzlerin. Sie wissen, dass Angela Merkel ihre Misere nicht auf der ­Tagesordnung der nächsten ­Wochen haben möchte - und dafür womöglich zu diskreten Zugeständnissen bereit ist.

Dass die Griechen ausgerechnet jetzt einen zweiten Schuldenschnitt ins Spiel bringen, mag ein unsauberer Zug sein. Er ist aber Teil eines insgesamt unsauberen Spiels, in dem die Bundesregierung noch immer verschweigt, was hinter den Kulissen viele schon seit Langem für unausweichlich halten: dass Griechenland am Ende einen zweiten Schuldenschnitt braucht.

von Marina Kormbaki

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Der politische Kommentar