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Obama verpatzt seinen Neustart

Petraeus-Affäre Obama verpatzt seinen Neustart

Was ist bloß los in den höchsten Sicherheitskreisen der Supermacht USA? Gerade erst ist CIA-Chef David Petraeus zurückgetreten, nun gerät auch der Afghanistan-Oberkommandierende John Allen unter Druck.

Doch nicht politische Differenzen oder strategische Fehler haben die hochdekorierten US-Offiziere in Ungnade fallen lassen, sondern außereheliche Beziehungen.

Die Details der Geschichte um Sex, Macht, Eifersucht und Drohungen böten Stoff genug für einen Hollywood-Film. Dass die Affären aber ein Sicherheitsrisiko für die USA darstellen sollen, mag man schwer glauben. Selbst wenn die Biografin Paula Broadwell von ihrem früheren Liebhaber Petraeus brisante Informationen bekommen hätte, ließe sich dieser Fehler durch dessen Abgang nicht beheben.

Wenn die Affären indessen kein Sicherheitsrisiko darstellen, was bleibt dann übrig? Eine Schmuddelgeschichte über zwei mächtige Männer, die sich zu Seitensprüngen hinreißen ließen. Das kann man verwerflich finden, allerdings war es auch im prüden Amerika bislang kein Rücktrittsgrund. Nicht einmal Bill Clinton, der als US-Präsident schließlich Oberbefehlshaber der Armee war, ist über seine Sex-Affären gestürzt.

Warum Petraeus wirklich gehen musste, darüber kann man nur spekulieren. Wollte Präsident Barack Obama den Geheimdienstchef auswechseln? Oder wollten die US-Republikaner verhindern, dass der Offizier seine steile Karriere mit einem Kabinettsposten krönt? Und wer hat ein Interesse daran, General John Allen in Misskredit zu bringen?

Offensichtlich ist nur, dass es im Hintergrund um Macht und politische Intrigen geht. Das Weiße Haus hat es geschafft, dieses Ränkespiel bis nach der Präsidentschaftswahl unter der Decke zu halten. Das war zwar eine taktische Meisterleistung, für die demokratische Kultur aber verheerend. Vor der Wahl präsentierte Obama sich angesichts der Hurrikan-Katastrophe als starker Oberkommandierender, nach der Wahl zeigen sich deutliche Risse im Sicherheitsapparat. Auf Obamas glänzenden Wahlsieg fällt jetzt der Schatten der Wählertäuschung.

Der US-Präsident, der sich gestern demonstrativ hinter General Allen stellte, muss nun auch um seinen eigenen Ruf kämpfen. Ein schlechter Start in die zweite Amtszeit, in der er ohnehin genug Probleme zu lösen hat.

von Stefan Dietrich

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