Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Nichts zu feiern in Afghanistan

Afghanistan-Einsatz Nichts zu feiern in Afghanistan

Der Erfolg hat viele Väter und Mütter - und der Misserfolg ist ein Waisenkind. Der Isaf-Einsatz der Bundeswehr war demnach kein Erfolg. Und seit gestern ist klar, dass auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen das so sieht.

Sonst wäre die CDU-Politikerin, die gerne vor Kampfflugzeugen posiert und mit ihren Ideen glänzt, zum offiziellen Abschluss des Kampfeinsatzes persönlich an den Hindukusch geflogen. Doch die Ministerin kam nicht, wollte sich zur Lage in Afghanistan auf Anfrage nicht äußern und schickte auch keinen hochrangigen Vertreter nach Kabul.

Es gibt eben nichts zu feiern nach 13 Jahren Isaf-Einsatz. Es gibt nur traurige Rekorde: Mehr als 3000 Zivilisten und 6000 Sicherheitskräfte wurden in Afghanistan in diesem Jahr getötet. Die meisten Menschen starben durch Anschläge der radikalislamischen Taliban, doch auch die internationalen Truppen haben immer wieder Zivilisten getötet. Nach Ansicht vieler Experten ist die Sicherheitslage heute schlechter als vor Beginn des westlichen Militäreinsatzes. Und auch die Situation der Frauen hat sich kaum verbessert.

Diese verheerende Bilanz darf man nicht den Soldaten der Bundeswehr anlasten, die sich im Ausland in Lebensgefahr begeben haben, um ihren Dienst zu leisten. Schuld daran sind westliche Politiker, die ihre Armeen in einen - zunächst als „Friedensmission“ bezeichneten - Krieg geführt haben, dessen Ziel von Anfang an unklar war: Ging es um die Bekämpfung des islamistischen Terrorismus, die „Verteidigung der Sicherheit Deutschlands am Hindukusch“, den Aufbau einer Demokratie, den Kampf gegen den Drogenanbau, die Durchsetzung von Wirtschaftsinteressen? Fest steht: Nichts davon haben die Nato und ihre Verbündeten erreicht.

„Es handelt sich um ein von den Aufgaben her, vom Einsatzort her und von der Zeit her begrenztes Mandat“, versprach der damalige Kanzler Gerhard Schröder 2001. Kein Wort davon entsprach der Wahrheit - aber 55 deutsche Soldaten starben. Jetzt soll der Einsatz endgültig abgeschlossen sein, doch das könnte die Situation noch verschärfen. Nur unter dem Druck der westlichen Mächte konnten sich afghanische Politiker über den Ausgang der Präsidentenwahl einigen. Die Taliban warten derweil auf ihre Chance. Das erinnert stark an den Irak, wo nach dem Abzug der US-Bodentruppen die Terrormiliz Islamischer Staat das Machtvakuum ausnutzte.

Das ist das Tragische an falschen Kriegen: Es wird nicht besser, wenn man die Truppen abzieht. US-Präsident Barack Obama steht blamiert da, weil er sich 2011 für den - offensichtlich verfrühten - Irak-Abzug feiern ließ. Ursula von der Leyen und ihre Kabinettskollegen wollen sich nicht blamieren - deswegen schwiegen sie gestern.

von Stefan Dietrich

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Der politische Kommentar