Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Nachhilfe ist gefragt

Bildungspaket Nachhilfe ist gefragt

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Diese Faustregel gilt nicht zuletzt für eine sozialpolitische Innovation der schwarz-gelben Koalition unter Federführung der Sozialministerin.

Vor zwei Jahren wurde das „Bildungspaket“ unter heftigen Geburtswehen auf die Welt gebracht. Das Ziel war absolut richtig: Die Förderung sozial benachteiligter Kinder. Mehr denn je sind Bildung und Teilhabe die entscheidende Voraussetzung für den gesellschaftlichen Aufstieg. Was läge also näher als so früh wie möglich die Chancen von Kindern zu stärken, die nicht im wohlbehüteten bildungsbürgerlichen Milieu aufwachsen?

In der Praxis allerdings ist von den hehren Zielen wenig übrig geblieben. Ministerin Ursula von der Leyen versuchte zwar nach Kräften, ihre Zwischenbilanz als Erfolg schönzureden. Doch die Zahlen sprechen für sich: Über 160 Millionen Euro gehen allein für die Verwaltung weg. Und von den 350 Millionen Fördermitteln im Topf wird nur etwas mehr als die Hälfte abgerufen.

Dass ein Kind von gerade zehn Euro im Monat eine wirkliche individuelle Förderung erfahren kann, würden wohl nicht einmal Zyniker behaupten - ein Tropfen auf den heißen Stein. Angebote, die häufig genutzt wurden, gab es auch vorher schon, wirklich neue wie Musik- und Sportgutscheine werden dagegen kaum angenommen. Zu viele Eltern sind noch immer kaum informiert. Folge: Die Wirkung verpufft weitgehend.

Das liegt auch an Konstruktionsfehlern. Die Koalition hat darauf bestanden, die Kommunen zum Träger des Programms zu machen. Und die verfahren höchst unterschiedlich und mit äußerst schwankender Effizienz. Die Regierung hat ein bürokratisches Monster gezüchtet.

Immer mehr kristallisiert sich heraus: In der gegenwärtigen Form ist das Bildungspaket wenig mehr als eine ziemlich kostspielige Mogelpackung. Da wäre Nachhilfe angesagt. Oder besser gleich eine komplette Überholung.

von Frank Lindscheid

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Der politische Kommentar