Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 2 ° Schneeregen

Navigation:
Merkels großer Trumpf

Steinbrück Merkels großer Trumpf

Ach du meine Güte, Peer! Als ob Deutschland kein größeres Gerechtigkeitsproblem hätte als die zur Eigennutz-Frage umzubauende Feststellung, dass Kanzler in Deutschland zu wenig verdienen.

Und wie kommt die freche Kanzlerin dazu, als Angela Merkel an der Spitze von Regierung und Union einen Frauen-Bonus in Anspruch zu nehmen? So weit wird es Steinbrück nie kommen lassen. Das ist ja vielleicht eines der Probleme der SPD, die mit ihrem derzeitigen Kanzlerkandidaten ihre liebe Mühe und Not hat. Manches würde Hannelore Kraft beispielsweise nie so sagen, dass es als Argument in Nullkommanix zur Keule gegen die SPD selbst taugt.

Wo sind eigentlich die Berater dieses sich selbst beschädigenden Kanzlerkandidaten? Wo bleibt der SPD-Bundesvorsitzende mit seiner Aufgabe, die Bremse rein zu hauen? Wo ist die Cleverness eines Kanzlerkandidaten geblieben, den vor Kurzem noch sehr viele, darunter auch die Kanzlerin, für eine gefährliche Kraft im politischen Wettbewerb hielten?

Angela Merkel hält ihre Neujahrsansprache, stur, emotionslos und ohne besondere Botschaft. Nur keine übertriebenen Erwartungen. Das schützt vor peinlichen Pannen. Sie kann sich die Unauffälligkeit des Regierens leisten, weil die Opposition so ist, wie sie ist. Demokratie lebt vom Wechsel. Dummerweise scheint sich die Steinbrück-SPD zu verweigern. Es ist zum Haare ausraufen.

Peer Steinbrück kommt vom Image des Mannes mit kostspieligen Beraterverträgen einfach nicht los. Erst der Schlamassel mit lukrativen Honoraren. Lupenreine Sozialdemokraten und Bürger mit natürlichen Gespür für das, was man besser lässt, kommen seitdem aus dem Grübeln nicht heraus. Und jetzt verhält sich der SPD-Ich-Manager als Kanzlerkandidat wie eine lose Kanone an Bord eines Piratenschiffs. Man müsste glatt prüfen, ob es einen Beratervertrag mit der CDU-Bundesvorsitzenden gibt.

Peer Steinbrück ist Profi. Er weiß genau, wie aus richtigen Sätzen zum falschen Zeitpunkt scheußliche Nachrichten werden können. Statt über das Kanzler-Salär zu klagen, hätte Genosse Steinbrück einfach den Irrsinn mancher Manager-Gehälter anprangern können. Wer sich bewusst dem Verdacht aussetzt, er verstehe Politik und politische Macht als Mittel zum Zweck der Einkommensmillionen, der weckt Zweifel an den eigenen Worten von Solidität, Solidarität und Gerechtigkeit.

Das ist Angela Merkel bisher nicht passiert. Auch deshalb liegt sie vorn. Und das hat nichts mit Frauen-Bonus oder Männer-Schicksal zu tun, sondern es ist schlicht und einfach eine Frage seriöser Verlässlichkeit. Wenn Steinbrück so weitermacht, kommt die Kanzlerin nicht in Bedrängnis. Leider.

von Dieter Wonka

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Der politische Kommentar