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Menschlichkeit in Stunden der Angst

München Menschlichkeit in Stunden der Angst

Ein einzelner Wirrkopf oder eine kleine Mörderbande kann eine Großstadt, ja ein ganzes Land in Angst und Schrecken versetzen.

Im Juli 2011 traumatisierte der rechtsextreme Massenmörder Anders Bering Breivik mit den Massakern an 77 Menschen ganz Norwegen. Exakt fünf Jahre später schießen vermutlich drei zunächst unbekannte Täter in München auf Passanten, sie töten mindestens acht Menschen. Die Stadt ist in Schockstarre, die Polizei spricht von einer „akuten Terrorlage“. Wieder einmal - wie schon nach Anschlägen wie jenen in Paris, Istanbul, Orlando, Nizza und Würzburg - wird uns schmerzlich bewusst, wie verwundbar wir sind, wie leicht unser Sicherheitsgefühl zerbrechen kann.

Den Angreifern in München ist es vorübergehend gelungen, die Stadt lahm zu legen und ins Chaos zu stürzen. Vieles war am Abend noch unklar: Wie viele Menschen getötet und verletzt wurden. Wie viele Täter wirklich beteiligt waren und ob es einen oder mehrere Tatorte gab. Auch, ob die Attentäter islamistische Terroristen waren oder andere Motive hatten. Fest steht: Die Tat richtet sich gegen uns alle, die gesamte friedliche Gesellschaft. Es kommt den Tätern nicht darauf an, wen sie töten. Sie haben keine höheren Ziele, sie wollen nur Panik auslösen. Das ist die teuflische Logik des Terrors.

Wir Bürgerinnen und Bürger können solchen Tätern nicht den Kampf ansagen. Das müssen die Sicherheitsbehörden tun, darüber wird man in den nächsten Tagen reden, wenn die Lage klarer ist. Selbst die Phrase, man solle sich nicht einschüchtern lassen, ist in so einer Situation fehl am Platze. Man muss die Angst nicht leugnen, die einen befällt, wenn man die Bilder aus München sieht, die Nachrichten liest, an Freunde und Bekannte in München denkt. Angst zu haben, ist kein Zeichen von Schwäche, es ist eine gesunde Reaktion.

Die Münchener taten am Freitag trotz ihrer Angst, was man gegen die Terroristen tun kann: zusammenstehen. Da nahmen hilfsbereite Menschen andere auf, die nicht wussten, wo sie hingehen sollten, auch die Bayerische Staatskanzlei öffnete ihre Türen. Es waren Zeichen der Menschlichkeit angesichts einer unmenschlichen Tat.

Das ist der Trost in diesen trostlosen Stunden: Der blinde Hass kann am Ende nicht gegen die Menschlichkeit gewinnen, weil er nur zerstören kann. Es ist schrecklich und unerträglich, dass so viele Menschen bei den Anschlägen sterben. Aber dennoch gilt noch immer, was der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt 1977 den RAF-Terroristen gesagt hat: „Der Terrorismus hat auf die Dauer keine Chance. Denn gegen den Terrorismus steht nicht nur der Wille der Staatsorgane, sondern auch der Wille des gesamten Volkes.“

von Stefan Dietrich

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