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Menschenrechte statt Machterhalt

Menschenrechte statt Machterhalt

Das dumpfe Grummeln in der Union kommt nicht von ungefähr. Mit dem Urteil zum Adoptionsrecht müssen CDU und CSU sich erneut von den Verfassungshütern in Karlsruhe darüber belehren lassen, was das im Grundgesetz verankerte Gleichheitsgebot in der angewandten Praxis bedeutet.

Zum Beispiel, dass Kinder und Eltern in Regenbogenfamilien nicht weniger wert sind als andere.

Genau dies beinhaltet aber die wenig menschenfreundliche Haltung der selbst ernannten Bewahrer konservativer Werte. Sie finden, ein Kind kann nur mit Mutter und Vater wohlbehütet aufwachsen. Die unzähligen Schicksale vernachlässigter Jungen und Mädchen in eben diesen vermeintlich normalen Familien spielen dabei keine Rolle.

Wer ohne parteipolitische Scheuklappen, dafür aber mit offenen Augen durch die Welt geht, sieht, dass die sexuelle Identität von Mama oder Papa kein Kriterium für das Gedeihen der Kinder ist. Eine Erkenntnis, die auch bis in Unionskreise vorgedrungen sein dürfte. Trotzdem opfert man Menschenrechte - und nichts anderes ist das Gleichheitsgebot - dem Machterhalt und lässt sich immer wieder von gesellschaftlichen Entwicklungen überrollen.

So gewinnen Christsoziale und Christdemokraten vielleicht die verbliebenen Stammtische der Republik, nicht aber die oft wahlentscheidenden Stimmen in Großstädten. Noch besser wäre es natürlich, wenn Merkel und Co. endlich den Mut hätten, sich frei von Machtstrategien für das Wohlergehen auch derjenigen Kinder einzusetzen, die nicht dem Modell des eigenen Parteiprogramms entsprechen - aber dennoch längst zur Lebenswirklichkeit dieses Landes gehören.

von Maja Heinrich

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