Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Menschenjagd ist inakzeptabel

Köln Menschenjagd ist inakzeptabel

"Ich will mich frei bewegen - ohne Angst, ohne Vorurteile": Das Transparent einer Demonstration vom Kölner Hauptbahnhof spricht der überragenden Mehrheit der Menschen in Deutschland aus dem Herzen.

Ohne Angst leben wollen hier Millionen Frauen, Männer und Kinder - Deutsche und Zuwanderer. Von Letzteren sind viele sogar deshalb nach Deutschland geflüchtet, weil sie in ihrer Heimat nicht mehr ohne Angst leben konnten.

Die Szenen, die sich in den vergangenen Tagen mitten in Köln abgespielt haben, machen Angst. Es ist unerträglich und inakzeptabel, dass Menschenhorden Jagd auf Passanten machen. Dabei ist es egal, ob kriminelle Männergruppen aus einem anderen Kulturkreis Frauen angreifen oder Rechtsradikale sich in der aufgeheizten Stimmung nach den sexuellen Übergriffen zu Attacken auf Zuwanderer verabreden. Beides ist unentschuldbar, beides muss von Polizei und Justiz konsequent verfolgt und hart bestraft werden.

Die Zahl der Opfer mag bei der rechtsradikalen Menschenjagd geringer sein als bei den Übergriffen der Silvesternacht. Doch wer solche Rechnungen anstellt, hat nicht begriffen, worum es geht: Nämlich nicht um einen Konflikt zwischen Zuwanderern und Deutschen. Sondern um den Konflikt zwischen Millionen, die friedlich in diesem Land leben wollen, und einigen Verbrechern. Damit sie die friedliebende Mehrheit nicht terrorisieren, gibt es Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichte.

Doch sind Polizei und Justiz ihrer Aufgabe noch gewachsen? Diese Frage stellt sich nicht nur angesichts der Kölner Übergriffe. Warum wurde die Kölner Polizei von einem Hooligan-Aufmarsch überrascht? Warum kann sich ein Dschihadist mit mehreren Vorstrafen in Recklinghausen mehrfach registrieren lassen und unbehelligt nach Paris reisen? Warum sind Haftbefehle gegen hunderte Rechtsextreme nicht vollstreckt worden? Offenbar wurden die Klagen der Polizeigewerkschaften über Personalmangel zu lange überhört. Dass nun auch eine Debatte über schärfere Gesetze anhebt, ist verständlich. Doch entscheidend ist, dass auch jemand die Gesetze durchsetzen kann.

„Ich hab Polizei“, hat Satiriker Jan Böhmermann vor einigen Wochen gesungen. Dieser Satz muss gelten - damit wir ohne Angst leben können.

von Stefan Dietrich

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Der politische Kommentar