Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Menschen und der Gott des Geldes

Papst Menschen und der Gott des Geldes

Obwohl nur etwa 20 Prozent der 100000 Bewohner von Kangemi Katholiken sind, durfte Papst Franziskus auf ungeteilte Zustimmung für das setzen, was er den Menschen am Stadtrand Nairobis zu sagen hatte:

Dass es eine „abscheuliche Ungerechtigkeit“ ist, die weltweit Millionen von Menschen in so prekäre Lebensverhältnisse treibt wie in Kangemi. Dass einige Wenige für die menschenunwürdige Existenz Vieler verantwortlich sind.

Es ist richtig, dass der Papst während seines Afrikabesuchs mit dem Finger auf korrupte Regierungen und deren Handlanger zeigt. Aber Franziskus meint andere, wenn er Dinge sagt wie: „Kein Land kann allein das Problem der Armut lösen, weil es auf einem internationalen System beruht, das ungerecht ist, das nicht den Menschen zum Zentrum hat, sondern die Wirtschaft, den Gott des Geldes.“

Bis zum Jahr 2030 sollen in Afrika mindestens 380 Milliarden US-Dollar in Infrastrukturprojekte gesteckt werden. Kein Zweifel, der Kontinent braucht bessere Straßen, bessere Schienenverbindungen, bessere Strom- und Kommunikationsnetze. Die Staaten Afrikas wissen, dass sie all das aus eigener Kraft nicht stemmen können. Die Weltbank und vergleichbare Organisationen helfen, so gut es geht, doch die wirklichen Mega-Projekte funktionieren nicht ohne private Großinvestoren. So wie China etwa, das maßgeblich die Bahnstrecke von der kenianischen Küstenstadt Mombasa nach Ruanda, Burundi und in den Kongo baut. Kein Akt internationaler Solidarität, sondern knallhart kalkuliertes Geschäft. Bei den chinesischen Investoren und Bauunternehmen wird die kenianische Regierung für Jahrzehnte in der Kreide stehen, und ob je ein Slumbewohner aus Kangemi mit einem neuen Zug durch sein Land fahren wird, ist zweifelhaft. Eher geht es darum, Nachbarländer so anzubinden, dass sich dort weitere internationale Investitionen lohnen.

Auch in Deutschland gibt es Unternehmen, die sich gern mehr in Afrika engagieren würden. „Afrika ist der Kontinent, wo wir die Zukunft der deutschen Industrie sehen“, sagt begeistert Jörg Wellmeyer, geschäftsführender Ko-Direktor bei der Strabag. Doch die Euphorie wird ausgebremst durch die Risiken: Auch die Bauindustrie fürchtet die korrupten Regierungen afrikanischer Staaten, fürchtet, dass eben diese Regierungen ihre Rechnungen nicht begleichen. Frank Kehlenbach vom Hauptverband der deutschen Bauindustrie hat da eine Idee: Er fordert, dass die Ausfallrisiken für die Unternehmen durch Entwicklungshilfegeld abgesichert werden. Genau diese Geisteshaltung kritisierte der Papst, als er von einem perfiden System sprach, das nicht den Menschen zum Zentrum hat, sondern die Wirtschaft, den Gott des Geldes.

von Carsten Beckmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Der politische Kommentar