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Lufthansa trägt die Verantwortung

Streiks Lufthansa trägt die Verantwortung

Wer in den nächsten Tagen eine Flugreise plant, muss erneut damit rechnen, dass der Flug annulliert wird. Das bedeutet Ärger und Stress - vor allem, wenn man erst wenige Stunden vor dem Abflug erfährt, ob man betroffen ist.

In Eile muss man dann entscheiden: Daheim bleiben? Die Reise verschieben? Umbuchen? Viele werden in dieser Situation die Flugbegleiter und ihre Gewerkschaft Ufo verfluchen. Das ist aber zu kurz gedacht: Wenn ein Konzern gleichzeitig mit mehreren Gewerkschaften im Clinch liegt, dann kann es nicht allein an hohen Forderungen einer Gruppe von Beschäftigten liegen.

Hinter dem Tarifkonflikt stecken Probleme, die größer sind als die Lufthansa. Erstens die historisch niedrigen Zinsen, die das bisherige System der Alterssicherung für Flugbegleiter und Piloten ins Wanken gebracht haben. Zweitens die Konkurrenz durch Billig-Flieger, die aus Sicht des Managements Einsparungen erforderlich macht.

Unter solchen Bedingungen sind Tarifverhandlungen kein Kaffeekränzchen. Zwar mögen aus Sicht anderer Arbeitnehmer die bisherigen Privilegien des Kabinenpersonals beinahe irreal erscheinen. Wer kann schon Mitte 50 in den Vorruhestand gehen? Aber Abschläge schmerzen eben jeden - auch auf relativ hohem Niveau. Zumal es gute Gründe für die fürstlichen Regelungen gibt: Piloten und Flugbegleiter haben Berufe mit hohen Anforderungen und belastenden Arbeitszeiten.

Doch Konzernchef Carsten Spohr zeigt dafür wenig Verständnis. Während die Gewerkschaft Ufo Kompromissbereitschaft beweist, indem sie einen Systemwechsel bei den Betriebsrenten grundsätzlich akzeptiert, gibt sich Spohr inhaltlich und rhetorisch knallhart. Den Gewerkschaften sei in der Vergangenheit zu viel nachgegeben worden, sagte er kürzlich. Deshalb hat Spohr auch nach dem jüngsten Streik kein neues Angebot gemacht. Parallel arbeitet er daran, Jobs in billige Tochterunternehmen auszulagern. Dass Lufthansa die Gewerkschaften zu einem Runden Tisch eingeladen hat, kann nicht darüber hinwegtäuschen: Spohr will nicht von seinem Kurs abrücken.

In dieser Situation haben die Flugbegleiter nur zwei Optionen. Sie können aufgeben oder kämpfen. Letzteres trifft automatisch die Fluggäste - andernfalls wäre der Streik wirkungslos.

Deshalb muss die Fluggesellschaft dafür sorgen, dass Passagiere möglichst glimpflich davonkommen. Beim jüngsten Streik war das Krisenmanagement der Lufthansa miserabel. Die Telefon-Hotline war völlig überlastet, das Online-Angebot alles andere als selbsterklärend. Wenn dies dazu führt, dass Passagiere künftig lieber mit anderen Gesellschaften fliegen, sind daran nicht die Gewerkschaften schuld.

von Stefan Dietrich

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