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Lucke braucht die politische Bühne

Weckruf Lucke braucht die politische Bühne

Bernd Lucke will um jeden Preis den Rückenwind der gegenwärtigen AfD-Austritte mitnehmen. Darum bleibt ihm nicht allzu viel Zeit, ausgiebig über die Gründung einer „Alternative zur Alternative“ nachzudenken.

Am kommenden Wochenende, wenn sich die „Weckruf“-Aktiven in Kassel treffen, könnte es bereits zur Neugründung einer Partei kommen.

Bis dorthin war das alles nicht viel mehr als die logische Folge aus der Spaltung, die durch den Essener AfD-Parteitag eingeleitet wurde. Anschließen dürfte sich eine Phase der gegenseitigen Abgrenzung zwischen Frauke Petrys Rest-„Alternative“ und der neuen Gruppierung um Lucke. Weder ihm noch seiner Widersacherin kann es bei diesem politischen Rosenkrieg ausreichen, die Getreuen bei der Stange zu halten - wer sich in der momentanen Lage auf die eine oder andere Seite schlug, dürfte ohnehin ein übergroßes Maß an Loyalität mitbringen.

Für ein politisches Überleben bis in die nächsten wichtigen Wahlkämpfe hinein müsste sowohl die „Alternative“ als auch Luckes neues Parteiexperiment zusätzliche Wählerschichten erschließen und Mitglieder akquirieren. Der einen wie der anderen Gruppierung trauen das allerdings momentan nicht allzu viele Menschen zu. Zumindest an einen Einzug in den Bundestag glauben einer aktuellen Umfrage zufolge weit weniger als 20 Prozent.

Damit deutet sich an, worauf das politische Establishment spekuliert hatte - dass sich die AfD früher oder später von selbst erledigt. Das mag so kommen, doch diese Prognose ist alles andere als ein Freifahrtschein für die derzeit in Bund und Ländern Regierenden. Es könnten den großen Parteien am Ende nämlich genau jene Prozentpunkte fehlen, die AfD und „Weckruf“-Partei noch auf sich versammeln. Also: Bitte kein Durchregieren bis zum Ende der Legislatur und dann am Wahlabend in Wählerbeschimpfungen und Selbstmitleid verfallen! Die Chancen, jetzt Profil zu zeigen, sind besser denn je: Erstens ist politisches Gestalten von der Regierungsbank aus ohnehin einfacher als aus der Oppositionsecke. Und zweitens können weder Frauke Petry noch Bernd Lucke momentan selbst programmatisch überzeugen: Das einzige Programm, das beide in diesen Tagen verfolgen, besteht darin, sich gegenseitig gallig anzugiften. Das dürfte früher oder später selbst die eingefleischtesten Anhänger langweilen.

Warten wir ab, was die AfD-Abtrünnigen in Kassel aus dem Hut zaubern. Lucke hat sich noch nicht dazu geäußert, ob er selbst an der Spitze einer neuen Bewegung stehen will. Doch fest steht, dass er ein Mensch ist, der die politische Bühne braucht wie die Luft zum Atmen. Mit oder ohne den „Weckruf“.

von Carsten Beckmann

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