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Kurzsichtigkeit zahlt sich nicht aus

EAM Kurzsichtigkeit zahlt sich nicht aus

Als die beteiligten Landkreise vor drei Jahren die Eon Mitte AG vom Mutterkonzern zurückerwarben und daraus wieder den rein kommunalen Energieversorger EAM machten, gab es neben vielen positiven Stimmen auch eine Reihe von Skeptikern.

Die dürften sich bestätigt fühlen, wenn sie davon hören, dass mehrere Landkreise und die Stadt Kassel - selbst Teilhaber an der kommunalen Gesellschaft - ihren Strom und ihr Gas künftig vom Energie-Multi Eon und nicht von der eigenen Gesellschaft EAM beziehen werden.

Das hat natürlich mit der Pflicht zur europaweiten Ausschreibung solcher Aufträge zu tun, die sehr ungleiche Wettbewerber auf den Plan rufen kann. Wenn aber der Preis am Ende das entscheidende Auswahlkriterium ist, wird die EAM nicht zum letzten Mal in die Röhre schauen. Denn sie startete in ihr kommunales Leben ohne eigene Endkunden, und bis jetzt hat sie der ehemaligen Mutter Eon auch im eigenen Verbreitungsgebiet noch nicht ausreichend Kunden wieder abjagen können. Das liegt sicher an einem schwierigen Markt. Mittelfristig wird die EAM aber nicht darum herumkommen, ihren Strom- und Gasverkauf auf eine breitere Kundenbasis zu stellen. Denn Netzentgelte sind zwar sichere Einnahmen. Sie sind aber von der Regulierungsbehörde gedeckelt und werden langfristig sinken.

Gerade deshalb ist es kontraproduktiv und auch kurzsichtig, wenn kommunale Anteilseigner wegen ein paar Euro weniger woanders einkaufen. Die Landkreise und die nachträglich an der EAM beteiligten Städte und Gemeinden partizipieren am Erfolg der Gesellschaft: Sie bekommen schließlich über die Dividenden fest eingeplante Finanzspritzen für ihre Haushalte. Die kann die EAM aber dauerhaft nur einfahren, wenn sie nicht auf einem Bein stehen bleibt.

Dass es sehr wohl auch anders geht als in Nordhessen praktiziert, zeigt der heimische Landkreis. Dort war mit dem Ausschreibungskriterium „Ökostrom“ die Eon offenbar nicht mehr die wirtschaftlichste Lösung, wohl aber die Stadtwerke, die längst auch mit der EAM kooperieren. Das ist gut für die Region, sofern der Preis akzeptabel bleibt. Oder bis das Kartellamt mal wieder die Spielregeln für die Vergabe neu definiert.

von Michael Agricola

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